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Neu: Den IBO ÖKOPASS gibt’s jetzt auch für Sanierungen

Über 30.000 Wohnungen werden in den nächsten Jahren in Wien saniert. Der IBO-Ökopass, erprobtes Instrument der Qualitätssicherung, wurde für die Anwendung in der Sanierung adaptiert. Damit kann ab sofort eine unabhängige externe Überprüfung mit wissenschaftlich fundierten Berechnungen und Messungen als außerordentliches Benchmarking zu einem kostengünstigen Preis auch bei Altbauten verwendet werden.

IBO ÖKOPASS Anzeigebereich

Neubauten, die mit dem IBO Ökopass qualitätsgesichert sind, mögen vielleicht nicht sonderlich spektakulär wirken, gemeinsam ist ihnen jedoch ein nicht immer selbstverständlicher, solider Komfort, seien es nun die Temperaturen sommers wie winters, eine gute Raumluftqualität durch Verwendung emissionsarmer Bauprodukte oder die Einhaltung der normgemäßen Schallschutzwerte. Diese Qualität soll auch in Sanierungen erreicht werden. Und obwohl Gebäudebewertungssysteme bei Totalsanierungen inkl. Renovierung von Einzelwohneinheiten (im Wohnungsleerstand) sehr gut anwendbar sind, ist dies ist nicht Regel-, sondern eher Ausnahmefall.

Im gesamten Stadtgebiet Wiens werden derzeit 247 Wohnhäuser mit mehr als 17.300 Wohnungen saniert und weitere 185 Wohnhäuser mit rund 13.600 Wohneinheiten befinden sich in Bauvorbereitung [1].

Was im IBO Ökopass Sanierung bewertet wird

Bei rein thermisch-energetischen Sanierungen oder Blocksanierungen (im bewohnten Zustand) sind werden andere Schwerpunkte gesetzt als beim Neubau. Folgende 6 Kriterien werden beim IBO Ökopass Sanierung geprüft und beurteilt:

Wohnkomfort:

  • Behaglichkeit im Winter / Sommer
  • Grünraumkonzept
  • Innenraumluftqualität
  • Schallschutz und Vermeidung von Lärm

Ressourceneffizienz

  • Ökologische Qualität der Baustoffe und Konstruktionen
  • Energieeffizienz - Gesamtenergiekonzept

 

Angenehme Temperaturen

Während im unsanierten Altbau kalte Zugluft und hohe Heizkosten hingenommen werden, ist der Anspruch an sanierte Wohnungen deutlich höher. Im Ökopass Sanierung werden die thermische Qualität der Außenhülle bzw. die zu erwartenden Temperaturen der Innenoberflächen in Kombination mit relativer Feuchte, guter Innenraumluftqualität (als wesentlichster Parameter CO2 ) und der Vermeidung von lokaler Unbehaglichkeit (Zugluftrisiko durch Kaltluftabfall im Winter durch Außenlufteinlässe ohne Vorerwärmung der Zuluft) bewertet.

Die U-Werte der Einzelbauteile orientieren sich in den Auszeichnungsstufen „Ausgezeichnet“ und „Sehr gut“ an den Anforderungen der EnerPhit-Zertifizierung des PHI Darmstadt (Altbaumodernisierung mit Passivhaus-Komponenten).

Abweichungen sind dann erlaubt, wenn es die Anforderungen des Denkmal- oder Ensembleschutzes einzuhalten gilt oder wenn wirtschaftliche Unverhältnismäßigkeiten oder begründete technische Nicht-Umsetzbarkeit vorliegen. Voraussetzung ist die Wahrung der Kondensatfreiheit der Bauteilkonstruktionen.

Zusätzlich werden zentrale oder semizentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung gefordert, die mind. 80% der Nutzfläche be- und entlüften oder zumindest dezentrale Komfortlüftungen in Schlafzimmer und Hauptwohnräumen (60% der Nutzfläche). Ein Plus nicht nur in Allergikerhaushalten, sondern auch in der Einstufung im Ökopass ist die Filterung der Außenluft – je feiner der Filter, desto besser die Bewertung.

Eine Einstufung in „Gut“ ist nur erreichbar, wenn die thermische Qualität besser erfüllt wird als in der OIB RL6-2015 Anforderungen für größere Renovierungen festgelegt und mit einer bedarfsangepassten (d.h. Luftwechsel-reduzierter) oder feuchtegesteuerten Abluftanlage.

Aufgrund der zu erwartenden höheren Sommertemperaturen im urbanen Umfeld wird im IBO ÖKOPASS schon seit Jahren großen Wert auf eine hohe Umsetzungsqualität bei der Sommertauglichkeit gelegt. Bewertet werden nicht nur die vorhandenen Speichermassen, sondern auch die Möglichkeiten zum Quer- und/oder Diagonallüften in den Wohnungen und dass Vorrichtungen für wirkungsvolle Verschattung eingebaut sind.

Um das Mikroklima vor Ort zu verbessern, werden Einzelmaßnahmen zur Verdunstungskühlung, wie Fassadenbegrünung (inkl. sinnvoller Wartungskonzepte) und Dachbegrünung sowie zur Reduktion von versiegelten Flächen im Außenbereich oder Innenhöfen in der Bewertung positiv berücksichtigt.

 

Ruhebedürftig? Schallschutz ist immer ein Bonus

Lärmeintrag über die Außenfassade soll vermieden werden. Neu angewendet wird hier die alternative Nachweismethode des Standortbezogenen Außenlärmnachtpegels gemäß ÖN B 8115-2 in Kombination mit dem resultierenden Bauschalldämmmaß der Außenfassade inklusive Fenster. Bei rein energetischen Sanierungen werden im bewohnten Zustand in der Regel keine schallschutztechnischen Verbesserungen der Trennbauteile durchgeführt. Bei Problemfällen können auf Wunsch des Bauträgers/Bauherrn aber auch die Schallschutzqualität von Innentrennbauteilen erhoben und Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden.

Die Überprüfung der Planungswerte erfolgt über eine Messung des energieäquivalenter Dauerschallpegels (nachts). Geräusche von Lüftungsanlagen sind tagsüber zumeist nicht hörbar, sie werden zusätzlich in den Schlafräumen bei Nacht gemessen. Der C-bewertete Dauerschallpegel dient der Beurteilung von Störgeräuschen der Lüftungsanlage in tieferen Frequenzen. Die Messungen erfolgen gemäß ÖN EN ISO 16032.

 

Gute Raumluft ist mehr als Emissionsarmut von Bauprodukten

Empfohlen wird eine Schadstoffuntersuchung im Bestand bei Leerstand der Wohnungen. Diese sollten die häufigsten Schadstoffe wie zum Beispiel Schimmel bzw. Schimmelpilzsporen, Asbest, Polychlorierte Biphenyle (PCB) etc. umfassen.

Besonders im sanierten Altbau ist ein ausgeglichener Feuchtehaushalt wichtig: vor allem bei Innendämmungen oder Bauschadensfällen im Bestand sind der Nachweis der Kondensatfreiheit von Bauteilen und Schimmelmessungen unumgänglich. Feuchte–Monitorings in der Betriebsphase sollen kritische Raumzustände oder Nutzerverhalten frühzeitig erkennen können. Damit werden und bleiben sanierte Wohnungen eher schimmelfrei.

Der Einsatz emissions- und schadstoffarmer Bauprodukte, die innerhalb der luftdichten Ebene eingebracht werden (relevante Produktgruppen: Verlegewerkstoffe, Bodenbeläge, Wandfarben, Lacke, Möbel etc.) wird im IBO Ökopass Sanierung abgebildet. Die PVC-Freiheit von Fußbodenbelägen und Wandbekleidungen ist zwingend einzuhalten, auch für bereits vorhandene Produkte. Bei allen neu eingebrachten Produkten führt (wie bisher) die PVC- bzw. Halogenfreiheit zu einer Verbesserung der Bewertung.

 

Energieeffizienz und Energiemonitoring – Verbesserungen sichtbar machen

Als „Ausgezeichnet“ wird ein Gebäude bewertet, wenn die Energieeffizienz des Gesamtgebäudes in der höchsten Klassifizierungsstufe nach EnerPhit Plus und Premium (entwickelt vom Passivhaus Institut Darmstadt) liegt. Diese Einstufung hängt von Bedarf und Erzeugung erneuerbarer Primärenergie (PER) ab.

Wird der Energieausweisnachweis jedoch nach nationaler Berechnungsmethodik durchgeführt, erfolgt eine parallele Einstufung auf Basis der Energiekennzahlen der OIB RL6-2015. Neben dem spezifischen HWBRef,RK werden zusätzlich Primärenergiebedarf, CO2-Emissionen und der Gesamtenergieeffizienzfaktor bewertet.

Luftdichtheitsmessungen sowie ein die Betriebserstphase begleitendes Energiemonitoring erlauben eine durchgehende Qualitätskontrolle. Beim Energiemonitoring sollen über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren Verbrauchsmenge des eingesetzten Brennstoffs bzw. Gesamt-Stromverbrauch in kWh, Ertrag der thermischen Solaranlage, Stromverbrauch des Allgemein-Stroms und der zentralen Lüftungssysteme sowie Erträge der Photovoltaikanlage erfasst werden. Der Stromverbrauch von Einzelhaushalten kann aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erhoben werden.

Um eine Evaluierung der Energieverbräuche durchführen zu können, sind Aufzeichnungen der Außentemperaturen am Standort, von Innentemperaturen in ausgewählten Räumen, ggf. Kippstellung oder Öffnung von Fensterflügel, die Erfassung der Außen- und Ablufttemperaturen zentraler Lüftungssysteme und eine Erfassung der Daten mindestens auf Monatsbasis, idealerweise auf Stundenbasis sinnvoll.

Mit dem Energiemonitoring werden Ausführungsmängel oder nicht vorhergesehene Verbräuche schnell entdeckt. Die Einregulierungsphase des Gebäudes kann sich so verkürzen und der in der Planung errechnete Verbrauch auch tatsächlich eingehalten werden. Das gibt Bauherren und Betreibern Sicherheit.

 

Der IBO Ökopass

Der IBO ÖKOPASS ist der meistverwendete Gebäudequalitätspass Österreichs, der 2001 speziell für Wohnhausanlagen entwickelt wurde. Über 400 Wohnhausanlagen wurden bisher bewertet. Die Qualitätskontrolle und die umfangreichen Messungen verhalfen über die Jahre hinweg zu einem hohen Standard im mehrgeschoßigen Wohnbau.

Grundlagen sind die Ergebnisse und Beurteilungen anhand von Planungsunterlagen, Berechnungen, Messungen und Baubegehungen, die in einem umfassenden Bewertungsbericht dokumentiert sind.

Die Vorbewertung einer Wohnhausanlage erfolgt aufgrund der Planungsunterlagen sowie gemessener Werte von bereits errichteten Bauten in vergleichbarer Ausführung. Nach Fertigstellung der Wohnhausanlage werden die einzelnen Kriterien vom IBO und entsprechenden Prüfanstalten überprüft. Die detaillierten Messergebnisse können von den Bewohnerinnen und Bewohnern im umfangreichen Mess- und Prüfbericht eingesehen werden.

Bewertet wird die gesamte Wohnhausanlage, wobei einzelne Wohnungen je nach Lage spezifische Eigenheiten aufweisen können. Die Bewertungen beziehen sich auf unmöblierte Wohnungen mit Standardausstattung zum Zeitpunkt der Bewertung bzw. der stichprobenartigen Messungen.

Grundsätzliche Qualitäten, die im Wohnbau heutzutage gefordert werden wie komfortable Temperaturen, Schutz vor Außenlärm, Energieeffizienz und Schadstoffarmut werden mit dem IBOÖkopass Sanierung abgebildet. Er berücksichtigt in seinem Bewertungsschema die Eigenheiten von Sanierungen und zeigt damit auch im Altbau, welch hoher Standard erreicht werden kann. Damit ist eine kompakte, gut bewährte Gebäudebewertung für Wohnbauten nun auch in der Sanierung anwendbar.

© Enzberg