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Ökologische Bewertung von Bauprodukten wird zur Farce

Auf Druck der Europäischen Kommission wird aktuell im zuständigen Normungsgremium (CEN TC 350) in mehreren Arbeitsgruppen daran gearbeitet, die PEF (Product Environmental Footprint)-Berechnungsmethode für die Umweltindikatoren in das bereits bestehende Bewertungsschema für Bauprodukte, die EN 15804, zu integrieren. Autor: Franz Dolezal

Materialökologie

Die EN 15804 stellt die methodische Basis für Ökobilanzen von Bauprodukten und somit von EPDs (Environmental Product Declarations) dar. Vom ursprünglich nahegelegten Ansinnen der Totalübernahme der PEF Methode wurde vorerst abgerückt (u.a. auch deshalb, weil PEF abgesehen von einer Dämmstoff-Pilotuntersuchung, bisher keine Methode für Baustoffe entwickelt hat), dieses Szenario ist zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht absolut auszuschließen. Derzeit kursieren verschiedene Arbeitsdokumente zur Methode, welche auch vom IBO inhaltlich und formal auf methodische Konsistenz geprüft und umfangreich kommentiert wurden. Als zentraler Diskussionspunkt stellt sich der Nebenschauplatz carbon storage bzw. biogener Kohlenstoff dar, ein Thema, welches schon längere Zeit sehr kontroversiell diskutiert wird. Die CO2-Speicherung betrifft im Baustoffsektor natürlich vor allem Holz und Holzprodukte, aber auch alle anderen nachwachsenden Baustoffe wie Schafwolle, Hanfdämmung, Zellulosefaser, etc..

Eigenschaften von Holz

Holz nimmt während des Wachstums der Bäume CO2 aus der Atmosphäre auf. Der Vorgang nennt sich Assimilation, wobei die in der Lichtreaktion (Photosynthese) gewonnene Energie mit Wasser dazu beiträgt Kohlehydrate zur Massenbildung zu erzeugen. Dies führt dazu, dass Kohlenstoff in Form von CO2 etwa 50% der Holzsubstanz (hauptsächlich Zellulose und Hemizellulose) darstellt. Dieser Vorgang wird auch in den nationalen Klimabilanzen  anerkannt. Dies vor allem deshalb, weil gerade der CO2 Sequestrierung in den nächsten Jahrzehnten zur Vermeidung des „point of no return“, jene Menge von CO2 in der Atmosphäre bei welcher der Klimawandel unumkehrbar wird, besondere Bedeutung zukommt. Soweit zur Millionen Jahre alten biochemischen Realität. Die Theorie, die zur Ökobilanzierung von Holz und Holzprodukten angewendet werden darf, sieht jedoch ganz anders aus.

Aktuelle methodische Umsetzung und CO2 Speicherung

Bisher erhielt, gemäß Holz-PCR (EN 16485) und nicht im Widerspruch zur aktuellen EN 15804, aus der Natur in die sogenannte Technosphäre (zur Holzverarbeitung) eingebrachtes Material ein negatives Treibhauspotential (der im Holz enthaltene Kohlenstoff wurde beim Wachstum ja der Atmosphäre entzogen und zwischengespeichert). Am Ende des Lebenszyklus von Holzprodukten, wenn das Holz aufgrund des  Energieinhaltes verbrannt wird, war das GWP wieder positiv auszuweisen, was zu einer ausgeglichen CO2-Bilanz, aber eben zu (Produkt-) lebenslanger Sequestrierung aus der Atmosphäre führte. Damit konnte die temporäre CO2 Speicherung klar und übersichtlich dargestellt werden.

Nach der Übernahme der PEF Methode, wäre diese Darstellung nicht mehr zulässig. Eingehendes wie ausgehendes CO2 ist gleich 0 (null) zu setzen, die Ausweisung der temporären CO2 Speicherung ist nicht mehr erlaubt. Mit dieser Regelung wird eine der wesentlichsten, umweltrelevanten Eigenschaften von Holz und anderen nachwachsenden Bauprodukten unter den Teppich gekehrt.

Biogener Kohlenstoffgehalt

Nur scheinbar im krassen Widerspruch hierzu steht die verpflichtende Angabe von „biogenic carbon content “ im Baustoff. Hier stellt sich natürlich die Frage wozu, wenn aus dem gespeicherten CO2 kein GWP abgeleitet werden darf? Die Antwort ist ganz einfach, wenn auch fortgesetzt unlogisch: Der biogene Kohlenstoff, der aus CO2 gebildet wird, ist damit nicht gemeint, der darf nicht dargestellt werden. Hier ist wohl jener Minimalanteil auszuweisen, der bei der Holzverbrennung in Form von Methan frei wird. Dieser Anteil ist zwar minimal, Methan weist jedoch eine 24 Mal höhere Treibhauswirksamkeit gegenüber der Leitsubstanz Kohlendioxid auf.

Ausblick und Wirkung

Die aktuellen methodischen Ansätze des PEF die im Rahmen Vereinheitlichung mit der EN 15804 voraussichtlich übernommen werden, führen dazu, dass wesentliche Umwelteigenschaften von Holzprodukten nicht mehr dargestellt werden dürfen. Dies stellt nicht nur einen signifikanten Wettbewerbsnachteil für die Holzindustrie dar, sondern hat zur Folge, dass Holz, ein nachwachsender und vollkommen kreislauffähiger Baustoff mit geringem Herstellungsenergieeinsatz, von den Konsumenten (B2C) und bei den Weiterverarbeitern (B2B) nicht mehr als ökologischer Baustoff wahrgenommen werden kann.

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