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Vorwärts ins vorige Jahrhundert
Ersatzlose Streichung innenraumluftrelevanter Vorgaben in der neuen OIB-Richtlinie 3/2019

Während in Deutschland das Wissen um das enorme gesundheitliche und ökonomische Potenzial einer guten Lüftung in Schulen und wissensbasierten Arbeitsplätzen immer mehr um sich greift, wurde in Österreich still und heimlich ein entbehrlicher Rückschritt in den bautechnischen Regelungen vollzogen.

RaumluftqualitätInnenraum

Ohne faktenbasierten Gründen wurde aus der OIB-Richtlinie 3 der expilizite und für Planer notwendige Verweis auf die Notwendigkeit einer mechanischen Lüftung (wenn die Fensterlüftung nicht ausreicht) ersatzlos gestrichen. Bemerkenswert ist auch, dass in den Erläuterungen der Richtlinie alle Verweise auf die seit dem Jahr 2003 bestehenden Richtwerte für die Innenraumluft des BMNT und die Notwendigkeit einer mechanischen Lüftung von Vortragsräumen ersatzlos entfernt wurden.

Mit dieser Ent-Versachlichung wurde sehenden Auges Tür und Tor für billig Bauen ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Nutzer geöffnet. Ohne sinnvolle Begründung wurde der hygienische und technisch anzustrebende Standard bei Neubauten und Sanierung von Gebäuden maßgeblich gesenkt. Wir produzieren damit den Substandard von morgen mit Schimmelbildung und schlechten, üblen Gerüchen - vor allem aber mit vermeidbaren Leistungsverlusten. Begründet wird dies (unter der Hand) mit der Notwendigkeit eines "leistbaren Bauens" (die niemand ernsthaft bezweifelt). Es dürfte sich offenbar noch nicht herumgesprochen haben, dass Energieeinsparung und Raumluftqualität bei fachgerechter Planung absolut kein Widerspruch sein müssen.

Ausreichendes Lüften und saubere Raumluft ist in dichten Gebäuden, allen voran in Schulen und Unterrichtsräumen, nicht nur ein hygienisches, sondern auch ein finanzielles Problem. Zahlreiche Studien zeigen, dass bei alleine über die Fenster gelüfteten Schulen die Leistungsfähigkeit dramatisch absinkt. Die Österreichischen Richtwerte für CO2 sind jedenfalls ohne mechanischer Hybrid-Lüftung in der Regel nicht einzuhalten. Letztendlich können wir uns Schulen ohne ausreichende Frischluftzufuhr nicht leisten! 

Auf lange Sicht ist zu hoffen, dass verantwortungsvolle Bauherren nicht die vordergründig billigste, sondern trotzdem die nachhaltigste Lösung wählen. 

Autor Peter Tappler. Erstmals erschienen im Innenraum Newsletter Nummer 31, Oktober 2019 (www.innenraumanalytik.at)

Umweltbundesamt Deutschland: Anforderungen an Lüftungskonzeptionen in Gebäuden: Teil 1 Bildungseinrichtungen

Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus: Richtlinie zur Bewertung der Luftqualität von Innenräumen