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Symposion

Stadt der Zukunft – Nachhaltigkeit vom Quartier zum Baustoff
Symposion, 9.–10. November 2017, Vorträge, Praxisbeispiele, Erfahrungsaustausch

In Reichenau an der Rax fanden sich am 9. und 10. Nov. 2017 Planende und Ausführende aus der Baubranche, ForscherInnen für ökologische Bewertungen und soziale Innovationen, Hersteller von klimawandeltauglichen Produkten und Dienstleistungen für 2 Tage zusammen, um sich auszutauschen und Wissen für die tägliche Arbeit mitzunehmen. Ein kurzer Abriss womit wir uns befasst haben.

Was jetzt gebaut wird, hat globale Auswirkungen und zwar für Jahrzehnte. Und es wird viel gebaut, denn es gibt immer mehr Menschen. Im Jahr 2050, prognostizierte Gesa Schöneberg zu Beginn des Symposions, werden 6.5 Milliarden Menschen in Städten leben. Wie wir damit umgehen (können), zeigten uns die ReferentInnen aus Wirtschaft, Forschung und Finanzwelt:
Alexander Kopecek erzählte, wie der Stadtteil Aspern entwickelt wurde und vom heutigen Leben in der Seestadt Aspern - mit ausborgbarem Lastenfahrrad, sauberem See und Supermarkt neben der Buchhandlung. Denn für einen funktionierenden Stadtteil, wo Arbeit, Wohnen und Freizeit eng beieinander sind, sind kleine (das familiäre Radgeschäft mit Kaffee und Kuchen) und große Strukturen (der Lebensmitteldiskonter) nebeneinander nötig. Roland Krebs zeigte uns, wie die Erfahrungen auch von der Planung und Besiedelung des Leuchtturmprojekts Aspern in die Quartierentwicklungen in Wiens neuer Gründerzeit eingehen. Baufeldübergreifende Planung muss klare Regeln wie etwa eine 4m hohe Erdgeschoßzone oder Zaunlosigkeit der Innenhöfe festlegen. Die Toolbox dazu darf in keinem Urban Lab fehlen.

Im Solution Cafe hörten wir von Siedlungsbewertungen wie sie im Programm klimaaktiv entwickelt werden, von Putzen und Deckensegeln für den akustischen Komfort, von den Auswirkungen des Cradle to Cradle Ansatzes bei Parkett und Teppich, welche Nachhaltigkeitskriterien für elastische Bodenbeläge angewendet werden, wie das Leben leichter wird, wenn Fliesenkleber in 2 statt einen Sack gepackt werden, wir konnten hören, was Fassadenanstriche langlebig macht, wie Gemeinden mit digitalen Daten arbeiten können und wie "gesund bauen" als Kundenwunsch umgesetzt wird.

    Hildegund Figl konfrontierte uns mit dem klaren Ergebnis unzähliger Ökobilanzierungen aus dem Projekt Urban Parameters: Wenn wir die Klimaziele ernst nehmen, ist es egal welchen Baustoff wir verwenden, es darf keinen Neubau mehr geben, Sanieren ist angesagt, Gebäude müssen kompakter werden. Und: die Belegungsdichte muss erhöht werden.

Roman Prager, der Windkraft erzeugt, will den Strom, der zuviel ist, in Betondecken zwischenspeichern. Das funktioniert tatsächlich, wenn der Stromlieferant die Wärmepumpe für die technische Bauteilaktivierung steuern kann.

Weil der Klimawandel nur noch gemildert werden kann, ist es notwendig, heute schon Gebäude klimafit zu planen, beginnend bei ausreichender Kanaldimensionierung bis hin zu angepassten Bauzeitplänen, wenn Sommersonnentage zu Schlechtwetter werden, erzählten uns Daniel Leidinger und Lukas Clementschitsch.

 Alexander Szymoniuk zeigte die aus Holzbauelementen modular zusammengesetzten Ausweichquartiere des Parlaments, die später einmal 18 Kindergärten werden können. Über die resilienten Städte, die wir dringend nötig haben werden, sprach Thomas Romm und erzählte von Aushub, der direkt vor Ort weiterverwendet wird und damit viele Transporte spart, vom Baukarussell, dass Bauteile zur Wiederverwendung fit macht und von RUMBA, den Leitlinien für eine umweltfreundliche Baustellenabwicklung. Wie Fassaden mit Drohnen und Robotern gedämmt werden können zeigte uns Wolfgang Winter.

Peter Karl aus der Finanzwelt vermisste soziales Denken in den gängigen Gebäudebewertungen. Die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds steigt, auch für Immobilienfonds. Veranlagungskriterien, die es den Immobilienbetreuern erlauben, schnell zu sehen, ob ein Gebäude für einen nachhaltigen Fonds in Frage kommt, sind nötig – man ist mit klimaaktiv im Gespräch.

Tobias Rogalli stellte uns anhand des Forschungsprojekts „Soziale Innovationen in Smart Cities“ vor, wie Menschen zusammenleben könnten. In vielen Städten, auch in der SINNCity werden soziale Innovationen auch für Anwendung neuer Technologien ausprobiert. So zum Beispiel die Ausbildungen zu Energiesparhelfern. Langzeitarbeitslose besuchen in ihrem Wohnquartier Personen, die in Energiearmut leben und beraten sie auf Augenhöhe. Hilft doppelt, weil es Arbeitsplätze schafft und Haushalten mit geringem Einkommen zu einem besseren Auskommen verhilft. Weitere 83 Maßnahmen sind im Ideenkatalog zu finden.

Christian Steiner erzählte ausführlich, wie sich Menschen zusammenfinden und gemeinsam leben. Baugruppen sind ein Minderheitenprogramm, aber die Anzahl der solcherart errichteten Wohneinheiten nimmt zu. 

Mut machten uns Claudia Nutz mit der Stadtentwicklung in Amstetten, Günther Jedlicka mit Wohnheimen für Studierende, seit 2005 allesamt in Passivhausqualität, Alexander Gluttig mit einem Wohnbau in Aspern, wo Jugendliche durch den sogenannten Canyon sausen, und Karl Höfler mit einer Sanierung in Kapfenberg.  Dort wurde aus einer Wohnhausanlage aus den 1960ern mit PV-Fassade, Solarsegel und 7500 Litern Pufferspeicher ein PlusEnergieGebäude, begleitet von einem umfassenden Monitoring.

Im Großen wie im Kleinen – alles hilft beim Umgang mit dem Klimawandel. Und es braucht engagierte Personen.

In Reichenau an der Rax war man sich jedenfalls einig: Der Klimawandel bewegt uns alle, vor allem die Menschen in die Städte. Wie sie dort leben und wie wir resiliente Städte bauen, zeigten uns Fachkundige aus Finanz- und Bauwelt, aus Forschung und Planung.

Vorträge und Fotos zum Download

Kurzporträts der Vortragenden