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I23 LAB5 und GradSchool

Inmitten des Wienerwaldes liegt das IST Austria, das Institute of Science and Technology, ein weitläufiger Campus, dessen älteste Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert stammen. Dieses junge internationale Institut widmet sich der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung und Postgraduiertenausbildung. Gegründet wurde IST Austria gemeinsam von der österreichischen Bundesregierung und dem Land Niederösterreich. Seit der Eröffnung wächst das Institut kontinuierlich, bis zum Jahr 2026 werden bis zu 90 Forschungsgruppen vor Ort sein. Derzeit wird das Gebäude I23 LAB5 und GradSchool am nördlichen Gelände der ISTA in Klosterneuburg errichtet.

klimaaktiv Bauproduktmanagement

I23 umfasst Labors, einen angegliederten Lehrbereich (Graduate School) und eine Bibliothek mit Lernzonen. Hohe technische Standards treffen auf hocheffiziente Energieversorgung. Terrassen direkt zugänglich von den Bürobereichen, großzügige Freiraumbereiche und offene Kommunikationszonen stehen den ForscherInnen und StudentInnen zukünftig zur Verfügung. Der klimaaktiv-Gebäudestandard zeigt Qualitäten des nachhaltigen Bauens auch bei diesem Gebäude. Mit dem klimaaktiv Qualitätszeichen werden neben der Energieeffizienz die Planungs- und Ausführungsqualität, die Qualität der Baustoffe und Konstruktion sowie zentrale Aspekte zu Komfort und Raumluftqualität eines Gebäudes beurteilt und bewertet. Von klimaaktiv Bauen und Sanieren werden nur Gebäude in Österreich ausgezeichnet, die einer besonders hohen Qualität in diesen Bereichen entsprechen.

klimaaktiv Gold in der Planungsbewertung

Das Engagement des Planungsteams schlägt sich in der klimaaktiv Bewertung nieder: das Projekt erreicht klimaaktiv Gold mit 962 von 1.000 möglichen Punkten. Auch in der Ausführungsphase begleitet das IBO das Projekt: ein umfassendes Bauproduktmanagement wird nach den Kriterien von klimaaktiv durchgeführt. Die Einhaltung der entsprechenden Vorgaben wurde in den Ausschreibungen kontrolliert, die Umsetzung wird auf der Baustelle durch stichprobenartige Kontrollen überprüft und durch eine abschließende Raumluftuntersuchung überprüft und das Ergebnis schriftlich dokumentiert.

 

Konstruktion

Die tragenden Außen- bzw. Innenwände sowie die Decken werden in Stahlbeton ausgeführt – mit Ausnahme einer Decke im EG, die als Leichtbaukonstruktion realisiert wird. Die nichttragenden Zwischenwände werden in Trockenbauweise bzw. mit Systemtrennwänden errichtet. In der Bibliothek, der Graduate School, den Gängen im Laborbereich sowie unter den auskragenden Terrassen werden Akustikelemente eingebaut. Die Fenster und Verglasungen werden in Aluminiumkonstruktion mit Dreifachwärmeschutzverglasung realisiert. Sämtliche transparente Bauteile sind mit außenliegender Verschattung (Raffstores) versehen. Schwerkraftnachtlüftung ist im Sommer für die Bibliothek und Gradschool durch eine ausreichende Anzahl und Größe an automatisiert ansteuerbaren Öffnungsflügeln gewährleistet, zusätzlich wird das gesamte Gebäude über eine Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung mechanisch be- und entlüftet.

 

Haustechnik

Das Nahwärmenetz auf dem Gelände der IST Austria wird von einer Hackschnitzelkesselanlage der EVN mit Wärme beliefert. Im Gebäude I23 wird eine Wärme- und Kältezentrale errichtet, die neben dem Gebäude I23 auch ein Laborgebäude der nächsten Ausbaustufe mit Wärme und Kälte versorgen kann. Zudem dient die neue Kältezentrale zur Notversorgung des bestehenden Büro- und Laborgebäudes I21. Der Wärmebedarf im Sommer und in der Übergangszeit wird durch Nutzung der Abwärme des Laborbetriebes mittels Wärmepumpenschaltung abgedeckt, bei zusätzlichem Wärmebedarf im Winter wird die Umformeranlage des Nahwärmenetzes dazu geschaltet. Die hohe Kühlleistung ist vor allem durch den Laborbetrieb und den definierten Sollbedingungen, die auch im Hochsommer zu gewährleisten sind, begründet. Inklusive der Versorgung des zukünftigen Laborgebäudes I24 und der Notversorgung des Gebäudes I21 beträgt die gesamte installierte Kälteleistung 3 MW. Zur Sicherstellung dieser Kälteleistung werden im I23 drei neue Kältemaschinen installiert. Zwei Kältemaschinen dienen zur Basislastabdeckung bei einem Temperaturniveau von 12/18°C; die dritte Kältemaschine dient primär zur Entfeuchtung bei 6/12°C sowie zur Versorgung des Heizsystems des I23 und I24. In den Räumen wird standardmäßig eine Kombination von durchgehender Grundtemperierung (Betonkernaktivierung) mit flinken Systemen (Fan Coils) umgesetzt. Nachdem primär über Flächensysteme temperiert wird, kommen niedrige Temperaturniveaus zum Einsatz.

 

Maßnahmen Energieeffizienz

Abwärmerückgewinnung: Zufolge des Laborbetriebes werden im Endausbau ca. 300-400 kW Abwärme prognostiziert. Die Kältemaschinen werden im Winter als Wärmepumpen genutzt. Die Abwärmen werden auf ein höheres Temperaturniveau angehoben. Durch die eingesetzten Flächenheizsysteme Betonkernaktivierung und Fußbodenheizung wird die Heizwärme mit hoher Effizienz erbracht. Erst bei niedrigeren Außentemperaturen wird Wärme von der vorhandenen Hackschnitzelheizung zugespeist. Es liegt somit ein bivalent paralleles, hocheffizientes Heizsystem vor. Die für den Entfeuchtungsbetrieb im Sommer erforderliche Luftnachheizung wird durch reinen Wärmepumpenbetrieb erbracht.

Kälteerzeugung: Klima-Kaltwasser, das auf einem Temperaturniveau von 12/18°C erzeugt wird, kann mit wesentlich geringerem Strombedarf erzeugt werden als bei dem Niveau 6/12°C. Mit Hybrid-Rückkühlern wird die Effizienz weiter gesteigert.

Befeuchtung: Die Befeuchtung im Winter erfolgt durch einen hochwertigen hygienischen Düsenbefeuchter. Die Wärmebereitstellung erfolgt mittels der Kälte-/Wärmepumpenanlage bzw. Hackschnitzelheizung, sodass Strom-Anschlussleistungen und Stromkosten signifikant reduziert werden.

 

Produktmanagement

Die Vielzahl an Bau- und Dämmstoffen, daraus resultierende Aufbauten und konstruktive Möglichkeiten, erfordern eine intensive Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Rahmenbedingungen. Bauphysikalische Anforderungen und Umwelteinflüsse sowie die geplante Nutzung sind neben rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekten die wesentlichen Einflussgrößen. Gesundheits- und umweltverträgliche Bauprodukte werden sorgfältig ausgewählt. Ökologische Kriterien, wie in klimaaktiv und dem NÖ-Pflichtenheft beschrieben, werden in den Ausschreibungen und der Auftragsvergabe verankert. Alle Bauprodukte müssen vor Einsatz auf der Baustelle freigegeben werden. Die Umsetzung wird auf der Baustelle kontrolliert und durch eine abschließende Raumluftuntersuchung überprüft. Die verwendeten Materialien von den halogenfreien Elektroinstallationen, der Haustechnik und dem Rohbau über die Dämmstoffen, die ohne klimaschädliche Substanzen hergestellt werden müssen und den emissionsarmen Beschichtungen innen und außen, bis zu den Bodenbelägen werden dokumentiert, damit auch Betrieb und Entsorgung in Zukunft leichter erfolgen können.

Fertigstellung

September 2020

Kontakt

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