Dach- und Fassadenbegrünungen sind ein wichtiger Baustein zukunftsfähiger, nachhaltiger und energieeffizienter Städte. Sie wirken durch Verdunstungskühlung, Verschattung und ein verbessertes Mikroklima und ergänzen klassische bauliche und haustechnische Maßnahmen, insbesondere im Kontext des Klimawandels mit steigenden Temperaturen und vermehrten Starkregenereignissen. Bisher fehlten jedoch geeignete Grundlagen, um diese Effekte quantitativ zu erfassen und auch in Planungsinstrumenten wie dem Energieausweis abzubilden.
Hier setzte das Forschungsprojekt MARGRET an. Ziel war es, die Wirkung von Gebäudebegrünung messtechnisch zu erfassen und daraus Ansätze für die Weiterentwicklung von Berechnungsmodellen und Normen abzuleiten. Dafür wurden umfangreiche Messungen unter realen Witterungsbedingungen durchgeführt. An einer Fassadenprüfbox wurden begrünte und unbegrünte Fassaden direkt verglichen, während eigene Teststände die Effekte von Gründächern gegenüber Kiesdächern untersuchten.
Die Ergebnisse verdeutlichen die Wirkmechanismen von Begrünungssystemen. Bei den Fassadenbegrünungen lag der größte energetische Effekt in der Verschattung von Glasflächen. Die Reduktion des solaren Strahlungseintrags betrug im vorliegenden Projekt trotz der juvenilen Struktur bereits rund 77–80 %. Doch vitale Grünfassaden können noch mehr. Um sich selbst vor Überhitzung zu schützen, wandeln die Pflanzen über 50 Prozent der eingestrahlten Sonnenenergie durch Verdunstung und Photosynthese aktiv um. In Kombination mit der geringen Albedo von Grünfassaden, die bei etwa 25 Prozent liegt, werden somit Blendung und Hitzestress im Straßenraum deutlich reduziert und der Urban Heat Island Effekt gemindert.
Auch die untersuchte reduziert-intensive Dachbegrünung zeigte signifikante Effekte. Durch Beschattung und Absorption solarer Strahlung durch die Vegetation wurden Oberflächentemperaturen und zirkadiane Temperaturschwankungen stark gedämpft. Der erhöhte Wärmedurchgangswiderstand und die thermische Trägheit minderten trotz des bereits hohen Dämmstandards (U-Wert 0,2 W/m²K) den Wärmestrom. Hier eröffnet sich perspektivisch Potenzial zur Reduktion der Dämmdicke konventioneller Dämmstoffe. Vitale, normgerechte Gründächer vermindern die urbane Überwärmung und leisten zusätzlich einen wesentlichen Beitrag zur Regenwasserrückhaltung.
Zusammengeführt in öffentlichen Katalogen, bilden die Projektdaten eine belastbare Grundlage für die Berücksichtigung von Gebäudebegrünungen in Normen und Simulationen. Sobald die laufende Begutachtung abgeschlossen ist, werden der Bericht und die Datenbestände veröffentlicht. Parallel dazu widmet sich das Folgeprojekt ‚MARGRET Bioshade‘ bereits der Klärung offener Fragen, um die Einsatzmöglichkeiten von grüner Infrastruktur weiter zu maximieren.
Projektteam
IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH (Projektleitung)
AEE – Institut für Nachhaltige Technologien
GRÜNSTATTGRAU Forschungs- und Innovations- GmbH
BOKU – Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (Drittleister)


