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Akustik als Nachhaltigkeitskriterium in Green Building Labels

Gebäudebewertungssysteme bilden Nachhaltigkeitsaspekte mit differenziert ausgestalteten Kriteriensätzen zumeist in mehreren Qualitätsstufen ab. Bau- und Raumakustik mit der Bewertung von Trittschall- und Luftschalldämmung, Schallbelastung aus Versorgungseinrichtungen und durch Außenlärm sowie Nachhallzeit in Innenräumen werden mit einem Bewertungsfaktor von beachtlichen 5 % berücksichtigt.

WissensverbreitungPublikationBauphysik, Bauchemie

Schallschutz ist eines der vordringlichsten Themen im Wohnbau. 20 % aller im Rahmen der Studie EU-SILC 2023 [1] befragten Österreicher:innen fühlen sich durch Lärm in ihrem Wohnumfeld beeinträchtigt. Im kommunalen Wohnbau steigt diese Zahl sogar auf 30 % an. Selbst im Hauseigentum liegt der Wert bei 15 %. Damit gilt Lärm als eine der häufigsten Gründe für Beanstandungen, noch deutlich vor Schimmel und Feuchteschäden (11 %). 
Gesundheitliche Präventionsmaßnahmen nennt auch die Bauprodukteverordnung [2] als Hauptgrund, warum Schallschutz eine der Grundanforderungen an Gebäude darstellt. Durch bauakustische Maßnahmen muss sichergestellt sein, dass Schallbelastung über die Luft oder über Bauteile bzw. aus Quellen aus anderen Teilen des Gebäudes „a) nicht zu unmittelbaren oder chronischen Risiken für die menschliche Gesundheit führt“ und „b) Bewohner … nicht daran hindert, ihre Nachtruhe, ihre Freizeit und ihre alltäglichen Tätigkeiten unter zufriedenstellenden Bedingungen wahrnehmen zu können“.
So findet sich die Zuordnung von bau- und raumakustischen Aspekten in Gebäudebewertungssystemen primär im Themenfeld soziale Nachhaltigkeit und hier in der Regel unter der Oberkategorie „Gesundheit und Wohlbefinden“. Investitionsmaßnahmen in diesem Bereich leisten wesentliche Beiträge zum Sustainable Development Goal 3 der Vereinten Nationen „Good Health“ [3] und spielen auch für das ESG-Reporting (nicht-finanzielle Berichterstattung über Aktivitäten von Unternehmen zu Environmental, Social and Corporate Governance) im Bereich Arbeitnehmer:in-nenschutz eine wesentliche Rolle [4].
Auch in der EN 16309, die als methodische Grundlage für viele Gebäudebewertungssysteme im D-A-CH Raum dient, sind die akustischen Eigenschaften von Bauteilen und der Schallschutz der sozialen Nachhaltigkeit zugeordnet, wie in Abbildung 1 dargestellt.
Die drei Säulen der Nachhaltigkeit, die bei der Analyse und Bewertung von Gebäuden zur Anwendung kommen, spiegeln sich bereits in den einschlägigen freiwilligen, horizontalen Normen für die Bewertung nachhaltiger Gebäude wider, die seit 2005 vom CEN/TC 350 „Nachhaltigkeit von Bauwerken” im Auftrag der Europäischen Kommission [5] entwickelt wurden.

Bau- und Raumakustik in Gebäudezertifizierungssystemen

Gemäß EN 16309 sind Luft- und Trittschalldämmung von Trennwänden und Trenndecken, die Schalldämmung der Außenhülle, der Geräuschpegel im Innenraum einschließlich der Schallbelastung aus Versorgungseinrichtungen sowie die Nachhallzeit zu erheben. Darüber hinaus wird festgehalten, dass unterschiedliche Nutzungsarten zu berücksichtigen sind. Weiters findet sich eine detaillierte Übersicht über empfohlene Kriterien und Normen zur Berechnung und Messung. 
Wie diese Anforderungen in Gebäudezertifizierungssystemen eingebettet sind, wurde vom IBO für Systeme, die im D-A-CH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) einen hohen Verbreitungsgrad haben (u.a. DGNB, BNB, IBO ÖKOPASS, TQB der ÖGNB, SNBS) sowie für solche von internationaler Bedeutung (Level(s), BREEAM, LEED) analysiert.
Untersucht wurde, ob Bau- und Raumakustik als wichtiges Thema der Nachhaltigkeit angesehen wird, welche akustischen Eigenschaften berücksichtigt werden und welche methodischen Ansätze für die Bewertung verwendet werden. Detailanalysen der Anforderungsniveaus beschränken sich auf die wichtigsten bauakustischen Aspekte Luft- und Trittschalldämmung. Der Schwerpunkt der Auswertung lag auf Kriterienkatalogen für Wohngebäude.

Level(s)

Level(s) ist ein europäisches Rahmenwerk für nachhaltige Gebäude, das zwischen 2015 und 2017 vom Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission entwickelt und nach einer Testphase 2021 allgemein veröffentlicht wurde.
Akustik und Lärmschutz [6] sind als einer von 16 Level(s) Leitindikatoren definiert, der in 3 Phasen (Levels) beurteilt wird: in der Entwurfs-, in der Ausführungsplanung und zuletzt über Messungen am gebauten Objekt. Bewertet wird der Schallschutz der Fassade, Luft- und Trittschalldämmung, Schallschutz vor Geräuschen der Haustechnik und, falls von der Raumnutzung her erforderlich, auch Raumakustikmaßnahmen. Kernindikatoren oder Unterkriterien haben innerhalb des Systems keine Gewichtung zueinander. In Bezug auf Zielwerte definiert Level(s) keine eigenen Anforderungen, sondern verweist auf nationale Bauvorschriften oder Klassifizierungssysteme. Neben dem standardmäßigen Frequenzbereich für die Bauakustik von 100 Hz bis 3150 Hz können auch tiefe Frequenzen (unter 100 Hz) in der Bauausführung berücksichtigt werden, „wenn der Nutzer einen umfassenderen … Ansatz verfolgen möchte“ [6].

BREEAM© DE / BREEAM© AT

Das von BRE Global (British Research Establishment) 1990 als eines der ersten für Gebäude auf dem Markt gebrachte Umweltbewertungssystem hat sich zu einem der weltweit führenden Zertifizierungssysteme entwickelt. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Dokumentationsanforderungen an nationale Standards angepasst und/oder regionale Zertifizierungsstellen eingerichtet wurden. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz werden die Anpassungen an nationale Standards von der TÜV SÜD Industrie Service GmbH vorgenommen.
Mindestanforderung für die Anrechenbarkeit von Punkten im Kriterium „Hea05 Bau- und Raumakustik“ ist, dass spätestens im Zuge der Entwurfsplanung ein Schallschutzplaner eingebunden wird, der das Projekt in Hinblick auf Schutz vor Außenlärm, Grundrissgestaltung, Zonierungen und Bauteile bauakustisch optimiert sowie in Bezug auf Verbesserungen der Raumakustik berät.
Für Wohngebäude werden nur der Luft- und Trittschallschutz von Trennbauteilen zwischen Nutzungseinheiten bewertet (und zwar im Bereich der Schlafräume). Für BREEAM DE gilt: Je nachdem, wie hoch die Anforderungen der DIN 4109-1 über- oder unterschritten werden, werden 1, 3 oder 4 Punkte vergeben: 1 Punkt entspricht 1 dB, 4 Punkte 5 dB Überschreitung (Luftschall) oder Unterschreitung (Trittschall) der in der nationalen Norm [7] definierten Anforderungen.
Für BREEAM AT beziehen sich die zu erreichenden Grenzwerte auf global definierte Zielwerte gemäß dem BREEAM International New Construction Scheme 2016 [8]. In Österreich beträgt der Anforderungswert der OIB Richtlinie 5 [9] DnT,w mind. 55 dB für den Luftschallschutz von Trennbauteilen. In BREEAM AT hingegen ist DnT,w inkl. Spektrumanpassungswert Ctr definiert: Die beste Bewertung wird für DnT,w + Ctr  ≥ 53 dB vergeben (4 Punkte), die Einstiegsstufe entspricht DnT,w + Ctr  ≥ 48 dB (1 Punkt). Die BREEAM Anforderungen können hier deutlich über den nationalen Anforderungswerten liegen. Beim Trittschall hingegen reicht L’nT,w ≤ 54 dB für die Bestbewertung (4 Punkte) und L‘nT,w ≤ 59 dB für die Einstiegsstufe (1 Punkt). Beide Werte überschreiten die maximal zulässigen Grenzwerte für L‘nT,w für Trenndecken mit (≤ 48 dB) der OIB RL5. Damit erfüllen alle Projekte mit Baugenehmigung die Anforderungen für die beste BREEAM-Bewertung für Trittschalldämmung, wenn sie durch Messungen validiert werden. Der maximale Bedeutungsfaktor für Luft- und Trittschalldämmung bei mehrgeschoßigen Wohngebäuden liegt bei 3,5 % für das Gesamtergebnis, wenn das Exzellenzniveau erreicht wird. Bei den Einstiegswerten ist ihr Einfluss auf 0,85 % begrenzt.

LEED©

Das vom U.S. Green Building Council bereits in den 90er Jahren entwickelte und laufend adaptierte Bewertungssystem findet weltweit Anwendung. In LEED v.5 (im Nov.2025 veröffentlicht) [10] werden bau- oder raumakustische Aspekte nur als eine von verschiedenen Teil-Optimierungsoptionen zur Erfüllung des Kriteriums EQc2 „Occupant Experience“ aufgezählt. Konkrete Zielwerte können je nach Raumfunktionsanforderungen vom Planer-team definiert und über Messwerte nachgewiesen werden. Welche Aspekte in die Optimierung miteinbezogen werden müssen, sind im Kriterienkatalog definiert (u.a. Luft-, Trittschallschutz; Schutz vor Umgebungslärm, vor intern erzeugten Geräuschen, Dämpfung von Vibrationen). Dafür werden maximal 2 von 110 Punkten vergeben und entspricht einer max. Gesamtgewichtung von 1,8 %. Alternativ dazu kann die Vollpunktezahl bei EQc2 aber auch mit rein nichtakustischen Komfortparametern (wie thermischer Behaglichkeit, Tageslicht, Sonnen-/Blendschutz, Sichtverbindung nach außen, „Biophilic Design“ nach Stephen Kellert und/oder Qualitätskriterien an die Beleuchtung) erreicht werden. Damit kann der Bedeutungsfaktor von Bau- und Raumakustik in der Gesamtbewertung auch gegen Null gehen.

DGNB© 

Das 2009 von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen auf den Markt gebrachte Gütesiegel wird in der Zwischenzeit international angewendet [11]. In Österreich und der Schweiz übernehmen die Zertifizierung Systempartner, die an lokale Regelwerke und Normen angepasste Kriterienkataloge herausgeben. In Österreich ist dafür die ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilien) zuständig. In der Schweiz übernimmt die SGNI die Aufgaben regionaler Konformitätsprüfungen. 
Neben diversen Nutzungsprofilen (von Wohnen, Büro, Bildung, bis hin zu Logistik und Produktion) kann das DGNB-System über angepasste Kriterien-Sets auch in unterschiedlichen Lebenszyklus-Phasen angewendet werden.

Für deutsche Projekte gilt [12]: die höchste Gewichtung hat das Kriterium SOC1.3 „Schallschutz und akustischer Komfort“ bei Hotels (6,3 %), für Büro-, Bildungs- und Wohnbauten sowie gemischt genutzte Gebäude liegt dieser Wert bei 4,2 %. Im Wohnbau stehen die Optimierung und qualitätsgesicherte Überprüfung des Luft- und Trittschallschutzes von Trennbauteilen sowie der Schutz vor Geräuschen der Haustechnikanlagen im Vordergrund. Für die Einhaltung der DIN 4109-5 Anforderungen inklusive Messnachweis ist ein Erfüllungsgrad von 80 % innerhalb des Kriteriums erreichbar. Bei mäßiger Übererfüllung (Schallschutzausweis Klasse C, nach DEGA-Empfehlung 103, Ausgabe 2018) [13] und raumaku-stischer Optimierung von gemeinschaftlich genutzten Allgemeinflächen ist die Maximalpunktezahl erreichbar. Bei Büros, Hotels oder Bildungsbauten tritt die bauakustische Optimierung von Bauteilen (40 % Gewichtung) gegenüber der Raumakustik (60 %) in den Hintergrund, bei gleichzeitig erhöhten Anforderungen an den Schallschutz. Im Bürobau werden mit den Klassen B oder A der VDI 2569 (2019) nicht nur die Trennbauteile zwischen Nutzungseinheiten optimiert, sondern auch Anforderungen an den Luftschallschutz von gleichartig genutzten Nachbarräumen, gegenüber Verkehrsflächen oder betriebsbedingt „lauten“ Räumen gestellt. Auch der Trittschallschutz aus Verkehrsflächen oder sonstigen Bereichen innerhalb von Nutzungseinheiten wird in die Bewertung miteinbezogen. 
Für österreichische Projekte (Systembetreiber ÖGNI) befindet sich der DGNB Kriterienkatalog Neubau für mehrgeschoßige Wohnbauten gerade in Anpassung. Eine grundlegende Überarbeitung wird für 2026 erwartet.

BNB (Bewertungssystem für Nachhaltiges Bauen) 2.0

Das BNB-System [14] ist ein Nachhaltigkeitsbewertungsverfahren, das vom Deutschen Bundesbauministerium veröffentlicht bzw. laufend weiterentwickelt wird und primär der Einstufung öffentlicher Gebäude dient. Bewertet werden ausschließlich Büro-, Bildungsbauten und Laborgebäude. Die inhaltliche Nähe zu DGNB erklärt sich über eine 2-jährige enge Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. in seiner Erstentwicklungsphase. Die Kriteriensteckbriefe der beiden Systeme DGNB und BNB wurden aber unabhängig voneinander weiterentwickelt.
2026 soll unter dem Titel „BNB 2.0“ eine überarbeitete Neuversion herausgegeben werden. Darin ist der Kriteriensteckbrief „N.08 Akustik“ (Stand Dez. 2025) mit 4 % im Gesamtsystem gewichtet. Davon entfallen 2 % auf Raumakustik und die restlichen 2% auf bauakustische Optimierungen (mit Anforderungen zu Luftschallschutz gegenüber Außenlärm, Schallschutz von gebäudetechnischen Anlagen sowie Luft- und Trittschallschutz). Für letztere werden Raumgruppen mit ähnlicher Schallbelastung zwischen Sende- und Empfangsraum gebildet (z.B. gleiche Nutzung, besonders laute Räume) und Schallschutzanforderungen definiert. Die repräsentative Auswahl hat vom Schallschutzplaner gemäß DIN 4109-2:2018 zu erfolgen.

IBO ÖKOPASS© 

Der IBO ÖKOPASS ist ein 2001 eingeführtes, österreichisches Nachhaltigkeitsbewertungssystem der ersten Generation, das speziell für mehrgeschoßige Wohngebäude im städtischen Kontext entwickelt wurde. Der Schwerpunkt liegt neben Umweltauswirkungen und Ressourcenverbrauch auf gesundheits- und komfortbezogenen Kriterien (60 % Gewichtung) [15].
Die Luft- und Trittschalldämmung als Unterkriterien des Bereichs Bauakustik werden im Gesamtsystem (Version 2022) mit insgesamt 8,6 %, bauakustische Kriterien gesamt (inklusive Schutz vor Außenlärm und Haustechnikgeräuschen) mit 14,3 % gewichtet. Der IBO ÖKOPASS klassifiziert nicht nur die Gesamtleistung des Gebäudes in vier leicht verständlichen Bewertungsstufen (ausgezeichnet, gut, sehr gut und befriedigend), sondern führt diese qualitative Bewertung auch bereits auf Ebene der Unterkriterien ein, was ein Alleinstellungsmerkmal darstellt. 
Die Mindestanforderung entspricht der nationalen Bauordnung. Um die Stufe „Ausgezeichnet” für die Luftschalldämmung zu erreichen, muss der folgende Wert durch Trennwände und -decken erfüllt sein: DnT,w + C50-3150  ≥ 63 dB. Der erweiterte Spektrum-Anpassungswert C50-3150 umfasst dabei zusätzlich auch tiefe Frequenzen von 50 bis 100 Hz.
Für die Trittschalldämmung verlangt der IBO ÖKOPASS für die beste Bewertung ein außergewöhnlich hohes Niveau: Der bewertete Standard-Trittschallpegel L'nT,w muss kleiner oder gleich 35 dB sein und der Gesamtwert einschließlich CI sowie CI,50-2500  muss wie folgt erfüllt sein: L'nT,w ≤ 35 dB und L‘nT,w + CI ≤ 40 dB und L'nT,w + CI,50-2500 ≤ 45 dB.

TQB der ÖGNB / monitor aspern Seestadt

Total Quality Building der ÖGNB (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) [16] wurde Anfang der 2000er Jahre entwickelt und laufend überarbeitet, zuletzt 2024. Es fußt auf einem 1000 Punkte-System, wobei für Bau- und Raumakustik maximal 50 Punkte vorgesehen sind (5 % Gesamtgewichtung). Neben der Einstufung der Umgebungslärmsituation und qualitativer Maßnahmen (optimierter Grundrissgestaltung lärmsensitiver Räume), der Schallschutzoptimierung von Fassaden und Messung des energieäquivalenten Dauerschallpegels spielen auch der Luft- und Trittschallschutz von Trennbauteilen eine wesentliche Rolle (ca. 50% innerhalb des Kriteriums Schallschutz bzw. max. 2,4 % Gewichtung im Gesamtsystem). Die Anforderungswerte orientieren sich an den Klassen A („Hoher Komfort“) bis C („Standard“) der nationalen Schallschutznorm ÖNORM B 8110-5 und sind über Messungen nachzuweisen. TQB bildete auch die Ausgangsgrundlage für ein separat entwickeltes Bewertungstool „monitor aspern Seestadt“ [17], das für das größte europäische Stadterweiterungsgebiet „aspern Die Seestadt Wiens“ durchgehend für alle Gebäude angewandt wird.

SNBS (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz)

Der SNBS-Gebäudestandard wird vom Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) herausgegeben und ist für Neubauten, Bestands- und Infrastrukturbauwerke sowie ganze Areale verfügbar [18]. Er gruppiert analog zu den 3 Nachhaltigkeitssäulen die Kriterien in den Themenfeldern „Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt“. Das Kriterium „Schallschutz“ ist dabei mit einem Bedeutungsfaktor von 2,9 % im Gesamtsystem belegt, wobei darin Raumakustik-Unterkriterien wie Nachhallzeit oder Hörsamkeit in spezifischen Räumen eine untergeordnete Rolle spielen (Wohnen, Büro: 0,24 %, Bildung: 0,48 %). Der Großteil entfällt auf Bauakustikanforderungen, die in 2 Themenblöcke gegliedert sind: a) Schallschutz der Gebäudehülle und zwischen Nutzungseinheiten und b) Schallschutz innerhalb einer Nutzungseinheit. Die Anforderungen folgen dabei Empfehlungen der SIA 181:2006, Anhang G bzw. des Minergie Eco-Zertifikats. Für Punkt a) wird für die Erfüllung der Mindestanforderungen der SIA 181 bei Wohngebäuden bereits 4 von 6 Punkten vergeben, für erhöhte Anforderungen nur mehr zusätzlich 0,5 Punkte. Damit wird nur ein relativ geringer Anreiz für die Übererfüllung der Mindeststandards gesetzt bzw. das Niveau der SIA als ausreichendes Qualitätsniveau anerkannt.

Schlussfolgerungen

Eine kritische Überprüfung der wichtigsten Nachhaltigkeitszertifizierungen im D-A-CH-Raum ergibt, dass bauakustische Parameter die Ergebnisse auf Gebäudeebene sehr unterschiedlich beeinflussen. In der Regel folgen die Indikatoren bereits standardisierten Deskriptoren. Wie in Abbildung 2 ersichtlich, liegt der durchschnittliche Einfluss der akustischen Qualität in Bewertungssystemen für nachhaltiges Bauen bei etwa 5,1 %, was angesichts der hohen Anzahl verschiedener, hauptsächlich nicht die Akustik betreffender Indikatoren, die im Bewertungsverfahren berücksichtigt werden, durchaus beachtlich ist. Grundsätzlich zeigt sich aber die Tendenz, dass aufgrund neuer Schwerpunktsetzungen (v.a. Kreislaufwirtschaft, Materialeffizienz, Klimawandelanpassung, Förderung der Biodiversität), soziale Nachhaltigkeitskriterien leicht an Bedeutung im Gesamtsystem verlieren.

Erfreulich ist, dass Messungen als zentrales Qualitätssicherungsinstrument in (nahezu) allen Gebäudezertifizierungssystemen honoriert werden. Die Vergleichbarkeit der Anforderungen ist bedingt durch den Bezug auf unterschiedliche Normierungsstandards in den Zertifizierungssystemen des D-A-CH Raums (bedingt durch die unterschiedlichen Aktualisierungszyklen) nur eingeschränkt möglich.

Die Studie wurde im März 2026 bei der 52. DAGA – Jahrestagung für Akustik in Dresden vorgestellt. Der vorliegende Artikel basiert auf dem entsprechenden Tagungsbandbeitrag Dolzeal, F., Fellner, M. „Akustik als Nachhaltigkeitskriterium in Green Building Labels“ [19].

Literatur

[1] Statistik Austria. Tabellenband EU-SILC 2023 und Bundesländertabellen mit Dreijahresdurchschnitt EU-SILC 2021 bis 2023, 20.4.2024
[2] Bauprodukteverordnung (CPR 2024): Verordnung (EU) 2024/3110 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2024 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für die Vermarktung von Bauprodukten und zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 305/2011
[3 Vereinte Nationen. Bericht über die Ziele für nachhaltige Entwicklung 2022. Verfügbar unter: unstats.un.org/sdgs/report
[4] Leitlinien für die Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen (Methode zur Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen) (2017/C 215/01). Mitteilung der EU-Kommission. Brüssel 2017.
[5] Europäische Kommission (GD ENTR) (Hrsg.): Normungsauftrag an CEN – M/350 EN, Entwicklung horizontaler standardisierter Methoden zur Bewertung der integrierten Umweltleistung von Gebäuden. Brüssel 2004.
[6] Dodd N., Donatello S., 2021. Level(s) indicator 4.4: Acoustics and protection against noise: User manual: introductory briefing, instructions and guidance (Publication version 1.1). JRC Technical Reports, 2021.
[7] BREEAM DE Neubau 2018, Technisches Handbuch, SD BNBDE01, Version 1.1., Stand 06/2022 (Hrsg. TÜV SÜD Industrie Service GmbH – NSO BREEAM D-A-CH, BRE Global Ltd.) Verfügbar unter: breeam.de/support/downloads/
[8] BREEAM International New Construction 2016, v2.0. BRE Global.
[9] OIB-Richtlinie 5: Schallschutz, Ausgabe Mai 2023. Österreichisches Institut für Bau-technik.
[10] LEED v5 Rating System. Reference Guide for Building Design and Construction, November 2025 Edition. U.S. Green Building Council.
[11] DGNB in figures www.dgnb.de/en/dgnb/about-dgnb/dgn-bin-figures (aufgerufen am 10.12.2025)
[12] DGNB System Kriterienkatalog Gebäude Neubau, Version 2023. SOC1.3 Schallschutz und Akustischer Komfort. Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
[13] DEGA Empfehlung 103 Schallschutz im Wohnungsbau – Schallschutzausweis, Januar 2018. Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V.
[14] BNB 2.0 – Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen 2.0, Kriteriensteckbrief N.08 Akustik (Entwurf Dezember 2025). Quelle: BBSR (derzeit unveröffentlicht)
[15] IBO ÖKOPASS, v.2022. IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH.
[16] ÖGNB (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen). TQB (Total Quality Building), V.2024.1.2 www.oegnb.net/deklarationstool/
[17] wien 3420 aspern Development AG. aspern monitor Tool. monitor.aspern-seestadt.at
[18] SNBS (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz). Kriteri-enbeschrieb SNBS-Hochbau. Nutzungsarten Wohnen, Verwaltung, Bildungsbauten, Gewerbenutzung im Erdgeschoss, Version 2023. Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) www.snbs-hochbau.ch
[19] Dolezal F., Fellner M., Akustik als Nachhaltigkeitskriterium in Green Building Labels. Tagungsbandbeitrag DAGA 2026, Dresden

Kontakt

Abb. 1: Drei Säulen der Nachhaltigkeit mit akustischen Indikatoren als Teil der sozialen Nachhaltigkeitsaspekte in EN 16309.
Abb. 2: Für die betrachteten Gebäudebewertungssysteme durchschnittlicher, und jeweils maximal möglicher Einfluss akustischer Aspekte auf die Ergebnisse von Gebäudebewertungssys-temen für Neubauten.