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CIRCULAR ECONOMY – aktuelle FORSCHUNGEN AM IBO

Die Bewertung von Baustoffen, Baukonstruktionen und Gebäuden beruht am IBO schon seit langem auf der Lebenzyklusbetrachtung. So ist der Gedanke einer Zirkularwirtschaft, in der nach Produktion und Nutzung Materialien wiederverwendet und verwertet werden sollen, nicht neu. Die neuesten Forschungen befassen sich mit den nötigen Rahmenbedingungen für eine schnellere Verwirklichung der Circular Economy: Wissen und digital erfassen, was im Bauwerk steckt, Erkennen von Schadstoffen, die ausgeschleust werden müssen und den Gedanken der Kreislaufwirtschaft in Normen und Bewertungssystemen verankern.

ForschungRückbau & Recycling

Nachdem die EU sich mit dem Circular Economy Action Plan große Ziele gesetzt hat, die Fridays for future Bewegung, Extinction Rebellion und zahllose Wissenschaftler:innen unerbittlich darauf hinweisen, dass unser Umgang mit den auf der Erde vorhandenen Ressourcen nicht in der gewohnten Weise weitergehen wird, formieren sich allerorten Bestrebungen die Kreislaufwirtschaft zu etablieren.

Es geht um alles. Es geht um Textilien, Lebensmittel, Verkehrsmittel, Energieerzeugung und um die Bauwirtschaft mit Unmengen an Beton, Stahl, Glas, Holz, Dämmstoffen, Beschichtungen und Hilfsstoffen. Wo kann man, wo soll man sinnvollerweise ansetzen?

EU-Forschungen

Viel Fördergeld wird für die Verwirklichung der Circular Economy ausgeschüttet, zum Beispiel für Recyclingverfahren bereits verbauter Stoffe wie etwa EPS oder Beton.

So wird Polystyrene loop, ein Werk in den Niederlanden, wo EPS rezykliert werden soll, mit 2.7 Millionen Euro von der EU kofinanziert.  Das Projekt ICEBERG umfasst sechs Fallstudien, die im industriellen Maßstab validiert werden und sich mit der Kreislauffähigkeit von Beton, Keramik, Holz, Gips, Isolierschäumen und Superdämmstoffen beschäftigen. Hier wird im Laufe von 4 Jahre mit 15.7 Millionen Euro gefördert.

Im ebenfalls 4 Jahre andauernden Projekt VEEP (100% EU Förderung im Ausmaß von 4.929.753 Euro) wurden Silikat-Aerogel-Anwendungen aus RC-Material für Dämmungen in Fertigteilelementen entwickelt. Weiters wurde die Verwendung von ultrafeinen Recylingaggregatanteilen für Zementproduktion erprobt, was vielversprechend klingt, auch wenn die CO2-Einsparung durch die Aufbereitungsprozesse nicht so überzeugend ist. Der End of Life Ansatz, höhere Anteile des Betonrecyclings in Richtung höherwertige Recycling-Produkte und damit höherer Wertschöpfung als reine Verfüllungen zu bringen ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. In Österreich hat dies Wopfinger Transportbeton mit seinem Ökobeton bereits umgesetzt. Die FTI-Initiative Forschung und Entwicklung im Bereich der Kreislaufwirtschaft in Österreich ist mit 10 Millionen Euro dotiert.

Forschungen am IBO

Jüngste Forschungen am IBO beschäftigen sich konkret mit folgenden Schwerpunkten:

Mit Datengrundlagen für BIM, das sind die Projekte:

BIM stocks (Methodik, um die Materialien und Recyclingpotenziale im Baubestand digital zu erfassen)

BIM peco  (Grundlagen für ein lebenszyklus- und lieferkettenbegleitendes Produktinformationsmanagement von umweltrelevanten Eigenschaften)

Mit Materialien, das sind die Projekte BauCycle (Analyselabor für die Rückbaustelle) und  PVRe² – Nachhaltige Photovoltaik (Was tun mit den in die Jahre gekommenen Modulen)

Mit Rahmenbedingungen für die öffentliche Beschaffung, das sind die Projekte

Normungsbegleitung Nachhaltiges Bauen 

Bewertungssystematik für den BNB-Kriteriensteckbrief 4.1.4 „Rückbau, Trennung, Verwertung“

Circular Economy – eigentlich ein altes Thema

Grundsätzlich ist Kreislaufwirtschaft weder neu noch besonders schwierig, zumindest theoretisch:

  • Zuerst einmal nicht bauen, sondern nutzen. Also mit vorhandenen Räumen arbeiten, Leerstandsmanagement. Zeitmanagement (Parkplatz vor dem Supermarkt wird am Sonntag von den Kirchfahrern benutzt, Turnhalle in der Schule am Abend von den örtlichen Sportvereinen)
  • Zweitens: Pflegen und Instandsetzen
  • Drittens: Sanieren und Nachverdichten

Und erst dann kommen die Baumaterialien ins Spiel. Auch hier gibt es Prioritäten:

  • Wiederverwenden – am besten ganze Bauteile, wie schon beim römischen Triumphbogen Konstantins, der auf dem Bogen von Hadrian basiert.
  • Wiederverwerten, also den Stoff zerkleinern und als Ausgangsmaterial für Neues, z.B. Beton oder Gips oder Spanplatte verwenden.
  • Als Füll- oder Schüttmaterial z.B. im Straßenbau einsetzen, das funktioniert für mineralische Stoffe.
  • Verbrennen, auch als thermische Verwertung bezeichnet, wenn die entstehende Wärme genutzt wird. Das ist der übliche Weg für organische Materie, also z.B. Dämmstoff oder Bodenbeläge.

In der Praxis jedoch verhindern lange Lieferwege, schlechte Sortierung, Verunreinigungen oder Schadstoffbelastungen, schlechtes Image, gesetzliche Bestimmungen z. B. aus dem Abfallrecht oder klassische ökonomische Berechnungen die Kreislaufwirtschaft.

So sind die Ansätze des IBO aktueller denn je:

  • Verwende nur Produkte, die keine Schadstoffe enthalten und daher in der Entsorgung kein Kopfzerbrechen verursachen. Dazu entwickeln wir seit Jahrzehnten passende und umsetzbare Kriterien zum Beispiel für das IBO-Prüfzeichen, aber auch für das Österreichische Umweltzeichen und natureplus.
  • Verwende Konstruktionen, die wieder lösbar sind. Also zum Beispiel mechanische Befestigungen wie Schrauben. In unseren Bauteilkatalogen und auch Gebäudeökobilanzierungen mit dem Entsorgungsindikator EI10 berücksichtigen wir das.
  • Ermögliche die Beurteilung auch und gerade bei großen Bauvorhaben mithilfe von BIM, das auch die ökologischen Eigenschaften anzeigen kann.
  • Stelle Informationen zur Verfügung. Richtlinien, Handbücher, Berechnungswerkzeuge.
  • Unterstütze die Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien.

Ein Weg, den wir weiter gehen werden, denn dass der Ressourcenverbrauch auch für das Bauen zu groß ist, ist mittlerweile wohl allen klar.

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