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Klimafitte Sportstätten
Die Initiative Sport.Wien.2030

Die traditionsreichen Wiener Sportstätten werden gedämmt und haustechnisch auf Stand gebracht. Damit werden die Anlagen für Schulen, Vereine und Wettbewerbe komfortabler und gleichzeitig deutlich energieeffizienter im Betrieb. Ein Beitrag aus dem Kitting 2026 von Simone Pointner, IBO.

WissensverbreitungArchitektur, Gebäude, StadtÖkologie, Nachhaltigkeit

Mit der Initiative „Sport.Wien.2030“ verfolgt die Stadt Wien das Ziel, bestehende Sportstätten umfassend zu modernisieren und energetisch zu optimieren. Im Oktober 2020 wurde dafür ein umfangreiches Investitionsprogramm beschlossen, das in den kommenden Jahren rund 400 Millionen Euro für die Sanierung bestehender Anlagen sowie den Neubau moderner Sportstätten vorsieht.
(Stadt Wien – https://www.wien.gv.at/freizeit/sportstaettenentwicklungsplan)

Im Fokus stehen energieeffiziente Gebäudehüllen, nachhaltige Baustoffe sowie moderne Energie- und Lüftungskonzepte. Gleichzeitig sollen die Anlagen den Anforderungen des Schulbetriebs sowie des Vereins- und Wettkampfsports gerecht werden.
Das Österreichische Institut für Bauen und Ökologie (IBO) begleitet die MA 51 – Sport Wien, vertreten durch die WIP Wiener Infrastruktur Projekt GmbH, im Rahmen der klimaaktiv-Zertifizierung sowie der Nachhaltigkeitsberatung. Mehrere Rundturnhallen wurden bereits generalsaniert und zertifiziert, weitere Standorte befinden sich derzeit in Planung beziehungsweise Umsetzung.

Die Rundturnhallen – Zeitzeugnisse der 1970er-Jahre

In den Jahren 1970 bis 1974 entstanden in Wien nach den Plänen von Dr. Kurt Koss insgesamt sechs Rundturnhallen, die in gleicher Größe, Konstruktion und Konfiguration ausgeführt wurden. Die Hallen befinden sich jeweils in unmittelbarer räumlicher Verbindung zu städtischen Bildungsbauten und dienen sowohl dem schulischen Turnunterricht als auch dem Trainings- und Wettkampfbetrieb von Vereinen und Verbänden.
Nach mehreren Jahrzehnten intensiver Nutzung entspricht die bestehende Bausubstanz jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen. Daher werden die Rundturnhallen schrittweise einer umfassenden Generalsanierung unterzogen mit der Intention den ursprünglichen Charakter der Anlagen zu erhalten.
Im Zuge der Sanierungen wird die Gebäudehülle erneuert und die Innenräume adaptiert. Die bestehende Dachkonstruktion wird rückgebaut und durch eine neue Tragkonstruktion ersetzt. Die Fassade wird vollständig erneuert und mit hochwärmegedämmten Aufbauten ausgestattet.
Gleichzeitig werden sämtliche haustechnische und elektrotechnische Anlagen erneuert und an aktuelle Standards angepasst. Die Hallen erhalten neue Heizungs-, Lüftungs- und Regelungssysteme, die den Energieverbrauch reduzieren und gleichzeitig den thermischen Komfort verbessern.

Bauphysikalische Maßnahmen

Im Bereich der Bauphysik liegt der Schwerpunkt auf der Verbesserung der thermischen Qualität der Gebäudehülle. Dach- und Wandaufbauten werden mit hohen Dämmstandards ausgeführt. Eine umlaufende Perimeterdämmung aus Schaumglas sowie die Überdämmung kritischer Stahlbetonanschlüsse sorgen für eine dauerhaft schadensfreie Konstruktion.
Auch die Tageslichtnutzung wird optimiert. Insgesamt 24 Lichtkuppeln im Dach sorgen nicht nur für eine gleichmäßige natürliche Belichtung der Sporthalle, sondern ermöglichen gleichzeitig eine natürliche Entlüftung. Dieser Effekt kann insbesondere für die Nachtlüftung beziehungsweise Nachtkühlung genutzt werden und trägt wesentlich zur sommerlichen Überhitzungsvermeidung bei.
Die Qualität der neuen Oberlichten wird im Zuge der Klimaaktiv-Zertifizierung mit einer Tageslichtsimulation überprüft. Ziel ist eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung der Sportstätte, um optimale Bedingungen für Training und Wettkampf zu schaffen.

Technische Maßnahmen

Die Wärmeversorgung erfolgt weiterhin über das Fernwärmenetz der Stadt Wien. Bestehende Heizungsanlagen werden vollständig erneuert und mit modernen Regelungssystemen ausgestattet. Zur Beheizung der Sporthallen kommen Deckenstrahlplatten zum Einsatz, wodurch die Heizlast ohne zusätzlichen Lüftungsbetrieb abgedeckt werden kann.
Auch die Warmwasserbereitung wird modernisiert und in zentrale Technikräume verlegt. Sämtliche Anlagen werden entsprechend aktueller Hygieneanforderungen ausgeführt und in die Mess-, Steuer- und Regeltechnik integriert. Dadurch kann ein laufendes Monitoring der Anlagen erfolgen.

Lüftung und Photovoltaik

Ein wesentlicher Bestandteil des nachhaltigen Gebäudekonzepts ist das kombinierte Lüftungs- und Energiekonzept. Durch ein Wärmepumpenlüftungsgerät mit integrierter Kühlfunktion und Teilentfeuchtung kann auf eine aktive Kühlung vollständig verzichtet werden.
Die Frischluftversorgung der Sporthalle erfolgt künftig über zwei unterschiedliche Systeme. Im regulären Schulbetrieb sowie bei geeigneten Witterungsbedingungen wird eine sogenannte Low-Tech-Lüftung genutzt. Über Klappenregelungen kann die Halle natürlich be- und entlüftet werden, wodurch der Energieverbrauch erheblich reduziert wird. Für Veranstaltungen oder bei ungünstigen klimatischen Bedingungen stehen zusätzlich zwei mechanische Lüftungsanlagen zur Verfügung.
Im ersten Ausbauschritt wird eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 15 kWp vorgesehen. Die Dachflächen ermöglichen jedoch perspektivisch einen Ausbau auf bis zu 60 kWp. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit Wien Energie im Rahmen eines Contracting-Modells.

Energieversorgung und Wasserversorgung

Die Energieversorgung basiert auf einem Zusammenspiel aus Fernwärme, energieeffizienter Gebäudetechnik und erneuerbarer Stromproduktion. Durch die thermische Sanierung der Gebäudehülle wird die Heizlast deutlich reduziert. Das Energieverbrauchsmonitoring gemäß klimaaktiv Basis + Stufe 1 & 2 ermöglicht eine laufende Kontrolle der Anlagen sowie eine frühzeitige Erkennung von Optimierungspotenzialen.
Auch die Wasserversorgung wird modernisiert. Die zentrale Warmwasserbereitung erfüllt aktuelle Hygieneanforderungen und gewährleistet einen energieeffizienten Betrieb.

klimaaktiv-Zertifizierung und nachhaltige Baustoffe

Die bauphysikalischen und haustechnischen Maßnahmen spiegeln sich in der hohen Bewertung innerhalb der klimaaktiv-Zertifizierung wider. Besonders in der Kategorie „Energie und Versorgung“ werden durch die thermische Sanierung sowie die Optimierung der technischen Gebäudeausrüstung hohe Standards erreicht.
Zusätzlich wird großer Wert auf nachhaltige Baustoffe gelegt. Im Rahmen eines umfassenden Produktmanagements (Stufe 2) wurden emissionsarme und PVC-freie Produkte ausgewählt. Dazu zählen unter anderem Folien, Abdichtungen, Rohrleitungen, Fenster, Türen sowie halogenfreie Elektroinstallationen.
Produkte mit Umweltzeichen zu verwenden, etwa bei Wärmedämmstoffen, mineralischen Bauprodukten oder emissionsarmen Wandfarben ist ein Beitrag zu größerer Nachhaltigkeit bei den Baustoffen. Mit solchen Bauprodukten werden die Innenraumluftqualität positiv beeinflusst und bessere Bedingungen für die VerarbeiterInnen auf der Baustelle geschaffen.

Erfolgsmodell Wiener Sporthallensanierung

Die Sanierung der Wiener Rundturnhallen zeigt beispielhaft, wie bestehende Sportinfrastruktur erfolgreich an die Anforderungen des Klimaschutzes und der Energieeffizienz angepasst werden kann. Durch die Kombination hochwertiger Bauphysik, moderner Gebäudetechnik, nachhaltigen Baustoffen und intelligenten Lüftungs- und Energiekonzepten werden die Sportstätten mit hoher Aufenthaltsqualität zukunftsfähig.
Mit der Initiative „Sport.Wien.2030“ setzt die Stadt Wien auch mit dem IBO ein starkes Zeichen für nachhaltige Infrastrukturentwicklung im öffentlichen Bereich. Die modernisierten Sporthallen schaffen nicht nur bessere Bedingungen für Schulen, Vereine und Veranstaltungen, sondern leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Wiener Klimaziele.

Rundturmhalle FLOH - Florian Hedorfster Straße 24, Innenansichten
Fotos ©: WIP Wiener Infrastruktur Projekt GmbH