Die aktuelle Ausgabe der ÖNORM B 8115-4 »Schallschutz und Raumakustik im Hochbau - Maßnahmen zur Erfüllung der schalltechnischen Anforderungen« stammt vom September 2003, ist also stolze 22 Jahre alt. Die Überarbeitung der Norm startete am 9. Dezember 2015 vor fast 10 Jahren, jetzt ist die Norm inhaltlich fertig und soll 2026 als Entwurf der Öffentlichkeit vorgelegt werden. Voraussichtlich wird der Teil 4 der ÖNORM B 8115 2026 veröffentlicht.
Die Überarbeitung, unter der engagierten Federführung des Vorsitzenden des Komitees 208 Clemens Häusler, führt vor allem den Holzbau in ein neues Planungszeitalter, aber auch im mineralischen Massivbau gibt es viele Ergänzungen und Optimierungen.
Vor allem die beeindruckende Entwicklung im Holzmassivbau mit dem Wunsch auch diese Bauweise, analog zum mineralischen Massivbau, durchgehend berechnen zu können, hatte großen Einfluss auf die Überarbeitung. Durch den stark gewachsenen Umfang wurde auch die Struktur erneuert und, auch wenn die Physik des Holzmassivbaus eher jener des mineralischen Massivbaus gleicht, die Trennung zwischen mineralisch und Holz eingehalten.
Wesentliche Neuerungen kurz zusammengefasst:
- Einführung eines Sicherheitsbeiwertes von 2 dB
- Massegesetz für ein- und zweischalige Bauteile überarbeitet
- Berechnungsmöglichkeiten für Vorsatzschalen deutlich erweitert
- Trittschallschutz Flankenübertragung detailliert und pauschal
- schwimmender Estrich neu inklusive Kombination schwimmender Estrich und Bodenbelag
- Schallschutz von Holzbalkendecken als Tabellenverfahren
- Schallschutz von Holmassivdecke als durchgängiges Rechenverfahren
Ergänzt wurden auch noch zahlreiche Anhänge, die eine Vielzahl von Werkzeugen für die planerische Praxis zur Verfügung stellen. So sind u.a. Richtwerte für die Schalldämmung von Gläsern, Fenstern und Bauanschlussfugen sowie Tabellen zur Schalldämmung von aktuellen Holzdecken und Holzwänden verfügbar. Weiters wird die Berechnungsmethode für die Resonanzfrequenz von dreischaligen Bauteilen angegeben. Für die Berechnung der Flanken im Leichtbau werden Norm-Flankenschallpegeldifferenzen zur Verfügung gestellt, das Schalldämm-Maß von Holzmassiv Rohdecken und -wänden wird mit spezifischen Masseformeln berechenbar, und die Flankenübertragung wird nicht nur für mineralisch massiv, sondern auch in einfacher Weise für Holzmassiv prognostizierbar.
Conclusio
Die neue Norm enthält für den klassischen Massivbau eine Vielzahl von Änderungen und Ergänzungen, hinzu kommt ein komplett neu integrierter Berechnungsansatz für den Holzrahmen und insbesondere für den Holmassivbau. Durch den angewachsenen Umfang wurde auch die Struktur erneuert, sodass auch für die Nutzer eine große Umstellung von der alten auf die neue Version zu erwarten ist. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die neue ÖNORM B 8115-4 die akustische Prognose in Österreich umfassend aktualisiert, modernisiert und an die konstruktiven und bautechnischen Gegebenheiten im österreichischen Hochbau heranführt. Mit der stärkeren Berücksichtigung des in der schalltechnischen Prognose etwas komplexeren Holzbaus reagiert die Norm auf Prognoseerfordernisse durch die immer weitere Verbreitung dieser Bauweise vor dem Hintergrund der notwendigen Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen.
Verwendete Literatur
- Häusler C. Tagungsband zum 12. BauphysikerInnen-Treffen, Wien 2025. https://bauphysik.at/index.php?id=bpt2025
- ÖNORM B 8114-4:2003 Schallschutz und Raumakustik im Hochbau - Teil 4: Maßnahmen zur Erfüllung der schalltechnischen Anforderungen. Austrian Standards International, Wien. Online verfügbar: https://www.austrian-standards.at/de/shop/onorm-b-8115-4-2003-09-01~p1404062
- Entwurf ÖNORM B 8115-4:2025 Schallschutz und Raumakustik im Hochbau - Teil 4: Ermittlung des baulichen Schallschutzes. Austrian Standards International, Wien.



