Wie stark senkt eine begrünte Fassade die Raumtemperatur an einem Hitzetag wirklich? Wirkt die Begrünung bei einer gedämmten Wand genauso wie bei einem ungedämmten Ziegelbau? Und welche Rolle spielt das Grün vor dem Fenster? Diesen Fragen gehen mehrere Berechnungen wie „Meildinger L mit IDA-ICE“ und das „Wiener-Hofmodell nach Steiner“ nach. Ein gekoppeltes Modell aus Mikroklima, Fassade und Innenraum und wurde am Beispiel eines Gründerzeit-Ensembles in der Rosaliagasse in Wien-Meidling angewendet (Projekt F&E Meidlinger L).
Das Modell verbindet mehrere Ebenen zu einem durchgängigen Rechenweg:
- Stadtmodell: Wiener Geodaten mit Gebäuden, Baumkataster und Bodenklassen
- Außenklima: ein Hitzetag mit bis zu 39,5 °C und einer Woche Vorlauf
- Wind: ein CFD-Windkatalog, also eine Strömungssimulation, die zeigt, wie die Bebauung den Wind umlenkt
- Verschattung der Fassade: Berechnung der Sonneneinstrahlung, die durch das Blattwerk auf die Wand trifft
- Wand: ein dynamisches Wärmemodell mit DELPHIN, gerechnet für eine 48 cm Ziegelwand mit und ohne 16 cm EPS
- Raum: eine Wärmebilanz in 5-Minuten-Schritten. Wand und Raum werden wechselseitig gekoppelt, die Raumtemperatur wirkt also wieder auf die Wand zurück
Gerechnet wurde ein angenommener Referenzraum an einem heißen Modelltag und es ist ersichtlich, dass die freie Raumtemperaturspitze sinkt und das Grün vor dem Fenster wirksam ist, und somit weniger Kühlenergie benötigt wird.
Ihre Perspektive ist gefragt, wir wollen darüber diskutieren: wie weit ist eine Begrünung in gängige Simulationsprogrammen einzubeziehen? Sind Modellansatz und Randbedingungen plausibel? Wie lassen sich solche Ergebnisse in Nachweise zum sommerlichen Wärmeschutz und in die Energieplanung übertragen? Wo sehen Sie Bedarf aus Ihrer Planungspraxis?
Wir freuen uns auf eine lebendige fachliche Diskussion!


