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Ökobilanzieren für die EU-Taxonomie
Treibhauspotenzial im Lebenszyklus: Wie die EU rechnet

In Österreich rechnen wir schon lange mit Ökobilanzindikatoren, der OI3 Index wird z.B. in der klimaaktiv Gebäudebewertung und in Wohnbauförderungen verwendet. Wie wird der Life-Cycle-GWP für die EU berechnet? Welche Phasen, welche Parameter werden für die EU-Taxonomie erhoben? Wie sind sie im erweiterten OI3-Index abgebildet? Bernhard Lipp stellte bewährte Werkzeuge für neue Anforderungen vor.

Gebäudebewertung

Der Green Deal der EU, dessen Ziele in zahlreichen Aktionsplänen ausformuliert werden, sieht im Rahmen der EU-Taxonomie eine Berechnung des Global Warming Potentials vor. Auf Grundlage der Lebenszyklusanalyse nach der EU Norm 15804 sollen im Bauwesen alle Lebensphasen und alle Bauschichten berücksichtigt werden. Wer einen wesentlichen Beitrag zum Ziel Klimaschutz nachweisen möchte und neu baut, der muss Anforderungen an den Primärenergiebedarf erfüllen, bei Gebäuden über 5000 m2 Luftdichtheits- und Thermografiemessungen durchführen und das Global Warming Potential im Lebenszyklus nachweisen.

Das sind Anforderungen, die in den Mindeststandards von klimaaktiv schon weitestgehend festgeschrieben sind. Die Rechenregeln um EU-weit bestimmen zu können, welches die besten 15 Prozent der Gebäude sind, damit verbindliche Zielwerte eingefordert werden können, sind weitestgehend festgelegt.

Im Detail stellen sich dann Fragen, wie etwa die Quadratmeterzahl eines Gebäudes festgelegt wird, welcher Betrachtungszeitraum herangezogen wird, welche Bauteile und Elemente müssen erfasst werden.
Die österreichische OI3-Berechnung, in der auch das GWP ausgewiesen wird, verwendet verschiedene Bilanzgrenzen, beginnend mit der BG 0, bei der im Wesentlichen die thermische Gebäudehülle erfasst wird, bis hin zur BG 6, bei der das gesamte Gebäude mit der Haustechnik und darüber sämtlichen Außenanlagen und Nebengebäuden auf dem Grundstück, erfasst wird. Für die EU wird die Bilanzgrenze 6 verwendet.

Zu beziffern sind die Kennzahlen für biogenes und für fossiles GWP, auch GWP für Landuse and Landusechange sollen berücksichtigt werden. Die Kennzahl GWPluluc wird für Baumaterialien mangels Datenverfügbarkeit und Relevanz für Bauprodukte derzeit nicht berücksichtigt.

Die Summe des GWP muss für die Lebensphasen A bis C ausgewiesen werden, berücksichtigt werden im Detail die in der Abbildung 1 rot markierten Phasen.

Dazu werden sämtliche Bauteilschichten in sämtlichen Phasen berechnet, Vereinfachungen der zeitlichen Bilanzgrenzen orientieren sind an jenen der räumlichen Vereinfachungen. Mithilfe der Ökobilanzdaten aus EPDs ist das Rechenverfahren an sich simpel, die Eingabe aller Daten jedoch aufwändiger als bisher für ökologische Optimierungen üblich.

Berechnet werden kann das GWP für den Nachweis im Rahmen der EU-Taxonomie mithilfe der OI3-Berechnung. Dazu kann das OnlineTool auf der Plattform baubook.at verwendet werden. Wer nicht selber rechnen mag, kann aber auch das IBO beauftragen.

Die Folien vom Werkstattgespräch am 23. 6. 2022 von DI Dr. Bernhard Lipp finden Sie hier.

 

Kontakt

Abb. 1: Der Umfang der GWP-Bilanzierung entspricht im Wesentlichen der OI3 Bilanzgrenze 6