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ERKA – Forschungsprojekt zur Ertüchtigung von Kastenfenstern
Eine gesamtheitliche Betrachtung von Sanierungsmaßnahmen

Dass Kastenfenster auch erneuert, instandgesetzt und nachgerüstet werden können, ist vielfach nicht bekannt genug.

ForschungSanierung

Mehrere hunderttausend Kastenfenster wären allein in Wien potenziell sanierungsfähig, wird von (Oettl et al) abgeschätzt. Genügend Motivation also, sich mit dem Thema gründlich auseinanderzusetzen.

Gefördert durch ecoplus Niederösterreich unter der Leitung der HFA (Holzforschung Austria) mit dem IBO (beides Mitglieder der ACR Austrian Cooperative Research) sowie der Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H (BIG) und der Bundesinnung der Tischler wurden 7 Sanierungspakete untersucht  und auch mit dem Kompletttausch gegen Isolierglasfenster aus Kunststoff, Holz und Holz-Alurahmen verglichen. Die Maßnahmen reichten von der Oberflächenerneuerung über die Verbesserung der Bedienbarkeit bis hin zu Beschläge- und Flügeltausch. Viele wichtige Aspekte, bauphysikalisch, technisch, ökologisch und ökonomisch, wurden dabei beleuchtet, doch die Analysen zeigen, dass einige Datengrundlagen fehlen. 

So ist zum Beispiel nicht klar, wie hoch die Kosten für die Maurerarbeiten beim Kompletttausch eines Fensters sind und ob Folgekosten durch erhöhte Kondensatbelastung auftreten, sodass das ökonomische Ergebnis, dass PVC-Fenster günstiger sind, kritisch hinterfragt werden muss. Auch wird für die Förderbarkeit nicht berücksichtigt, dass die Verbesserung der Luftdichtheit eines Kastenfensters zu einem geringeren Energieverbrauch beim Heizen führt. Herangezogen wird lediglich der U-Wert, der vor allem für neue Fenster leicht verfügbar ist.

Ob eine Verlängerung der Lebensdauer durch eine Aluschale auf der Außenseite ökologisch darstellbar ist, kann bei einem Betrachtungsrahmen von 50 Jahren und auch weil Vergleichsdaten fehlen, nicht gesagt werden. Anstricherneuerungen wirken sich zunächst einmal ökonomisch und ökologisch, speziell bei Verwendung von Kunstharzlacken und -lasuren, negativ aus. Doch eine wachsende Zahl von Handwerker:innen und Kund:innen sieht die Oberflächenbeschichtung mit Leinölanstrichen, die zwar längere Trocknungszeiten hat und öfter, dafür aber deutlich einfacher gewartet werden kann, als Vorteil. Erfreulicher Nebeneffekt: Diese Anstriche setzen bei Abwitterung kein Mikroplastik in die Umwelt frei. 

Mit vergleichsweise geringen Eingriffen wie etwa der Kitterneuerung oder dem Einbau selbstklebender Dichtungen können große Effekte auf Luftdichtheit und Schallschutz erzielt werden. Ökologisch gesehen sind die moderaten Maßnahmen, bei denen das Fenster bestehen bleibt, jedenfalls die besten, müssen aber natürlich im Zusammenspiel mit den bauphysikalischen Eigenschaften gesehen werden. 

Das IBO war mit der Ökobilanzierung der verschiedenen Varianten betraut. Die LCA-Resultate führen zu folgenden Handlungsempfehlungen für die Tischler:

  • Schon geringe Eingriffe führen zu spürbaren Verbesserungen bei gleichzeitig geringem Ressourceneinsatz.
  • Transporte sollten reduziert werden – die Sanierung vor Ort trägt dazu bei. 
  • Holzfenster sind CO2-Speicher – sie länger in Nutzung zu halten, verringert die Freisetzung des Treibhausgases.
  • Aluminium ist sehr energieaufwändig und verursacht unerwünschte Nebenwirkungen. 100 % Recyclinganteil ist unrealistisch. Aus ökologischer Sicht, wenn möglich auf Aluminium verzichten, denn die Verlängerung der Wartungsintervalle rechtfertigt den Einsatz dieses Materials für gewöhnlich nicht. 
  • Glas hat ebenfalls einen sehr hohen ökologischen Fußabdruck und das Recycling von Fensterglas steckt (im Gegensatz zum Verpackungsglas) in den Kinderschuhen. Die Recyclingquoten sind noch sehr gering. Das wertvolle Material soll möglichst lange genutzt und weiter- oder wiederverwendet werden. 
  • Selbstklebende Silikondichtungen – unter der Voraussetzung, dass sie länger als 16 Jahre halten und die gleichen Wartungsintervalle wie eingefräste Dichtungen haben, sind zu bevorzugen. 

Der Fensterkitt ist wegen der geringen Menge kaum relevant. Leinölkitt ist zwar im Vergleich zu einem MSHybriddichtstoff in allen ökologischen Parametern deutlich besser, doch fällt die Verglasung mehr ins Gewicht. Nicht berücksichtigt ist aber, dass bei langsamerer Aushärtung der Leinölkitt fehlerverzeihender ist, und im Gesamtsystem mit der Verwendung von Leinölkitt zur Rissausbesserung und dem Leinölanstrich kein Mikroplastik enthält. 

Grundsätzlich ist jedoch, wie bei jeder Ökobilanzierung, die Aussagekraft von der Datenqualität der Sachbilanz abhängig. Bei dieser Studie zeigt der Vergleich mit Standard-EPDs, dass die Daten plausibel sind. Doch sind die Annahmen von Austauschraten und Wartungsintervallen naturgemäß von vielen Faktoren abhängig. So ist bekannt, dass Bewitterung und Benutzung die Wartungsintervalle ebenso beeinflussen wie die Entscheidung, wann und wieviel Geld zur Sanierung oder Instandhaltung zur Verfügung steht. Bei einem Betrachtungszeitraum von 50 Jahren ist die Frage, ob ein Fenster nach 40 Jahren oder erst nach 55 Jahren ausgetauscht wird und entweder einmal oder zweimal berechnet wird, entscheidend.

Was sich daraus schließen lässt? 

Die Qualität historischer Fenster ist mit den heutigen nicht vergleichbar. Ab dem 18. Jahrhundert wurden Winterfenster üblich und ab ca. 1850 sprechen wir vom Kastenfenster, dass nicht nur aus Holz von besonders guter Qualität gefertigt wurde, sondern auch wartungsfreundlich mit Leinölkitt und Leinölanstrichen oberflächenbeschichtet wurde. Bis in die 1950er Jahre war die gängige Fensterform das Kastenfenster und noch heute sind sie hochwertige, langlebiger und architektonisch wertvolle Fassadenelemente. Viele davon halten bereits über 100 Jahre, sie verdienen es - architektonisch und ökologisch gesehen auf jeden Fall - saniert zu werden.

Projektteam

Gründerzeit-Fenster- und Fassadenelement F. Oettl, Bericht 51/2011, Projektbericht im Rahmen des Programms Haus der Zukunft im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, Wien, Juli 2011

Kontakt

© Barbara Bauer