Im September 2026 nahm das IBO an einer Fachexkursion der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (ÖGNB) zum Retentionsdach der AK Wien teil. Das Projekt gilt als wegweisendes Best-Practice-Beispiel für urbane Klimaanpassung. Auf einer Gesamtfläche von 2.690 m² entstand das flächengrößte Retentions-PV-Gründach Österreichs. Die Planung erfolgte federführend durch AH3 Architekten und grünplan Landschaftsarchitekten.
Die 2010 geschaffene Norm L 1131 aus dem Fachgebiet Landwirtschaft wurde mit April 2026 zur ÖNORM B 1131 – Begrünung von Dächern und Decken auf Bauwerken (Anforderungen an Planung, Ausführung, Pflege). Damit ist die Bauwerksbegrünung - erstmals und in der EU einzigartig - verbindlich im Bauwesen verankert. Für klimaangepasstes Bauen liegt somit ein praxistaugliches Regelwerk für Solargründächer, biodiversitätsfördernde Systeme und auch Retentionslösungen vor.
Dies erleichterte auch eines der ersten Retentionsdächer in der Sanierung – noch dazu eines denkmalgeschützten – Gebäudes umzusetzen. Bestehende Kiesdächer wurden in Null-Grad-Dächer mit Retentions-Solar-Gründachsystemen (1.970 m²) sowie in intensiv begrünte, nutzbare Dachterrassen (585 m²) umgewandelt. Die Herausforderung bestand vor allem darin, die statischen Rahmenbedingungen der bestehenden Rippendecken und Holzkonstruktionen mit dem Gründachaufbau auszutarieren und bauphysikalisch zu optimieren, sodass eine Nutzung in dieser Form überhaupt möglich wurde. Zudem wurde das Substratgewicht nachgemessen, um sicherzugehen, dass alle Belastungsgrenzen eingehalten werden.
446 m² der Aufenthaltsterrassen verfügen über einen Retentionsaufbau, sodass der dort anfallende Niederschlag aufgefangen werden kann. Die Pflanzflächen weisen ein hohes Substratvolumen auf, was den Bewässerungsbedarf minimiert. Die Retentions-Gründächer können in diesem Projekt 40–50 l Wasser pro m² aufnehmen und zwischenspeichern. Dieses Wasser steht den Pflanzen zur Verfügung, steigert die Verdunstungskühlung und entlastet bei Starkregenereignissen spürbar das Kanalsystem. Ein unterdruckbasiertes Leckage-Ortungssystem bietet zusätzliche Sicherheit falls Undichtigkeiten auftreten sollten.
Dass Begrünung, Wasserrückhalt und Mikroklima zentrale Zukunftsthemen sind, spiegelt sich auch in der aktuellen Forschungsarbeit des IBO wider. In Projekten wie KlAir (klimaresiliente, modulare Begrünungssysteme) und Margret Bioshade (synergetische Fassadenbegrünung als pflanzlicher Sonnenschutz) forscht das IBO aktiv daran, wie sich biogene Kühl- und Retentionsleistungen erfassen und praxisnah im Neubau wie im Bestand verankern lassen.
Rahmendaten:
Retentionsdach mit Monitoringsystem
1970 m² Retentions-Gründächer überwiegend mit PV
585 m² Aufenthaltsterrassen davon 466 m² mit Retentionsaufbau
Wasserrückhaltevermögen gesamte Dachflächen: rd. 100.000 Liter.
PV -Anlage mit 148 kW peak, auf Dach, ohne Durchdringung der Dachhaut, Jahresstromproduktion 170.000 kWh

