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Bauen mit Boden
Der Endbericht zum Forschungsprojekt Erdbewegung ist verfügbar!

Lehm soll als Baustoff gleichzeitig das Klima schonen, die Kreislaufwirtschaft stärken und Abfallmengen verringern. Schritte dorthin sind im nunmehr öffentlich einsehbaren FFG-Forschungsbericht des ACR-Instituts IBO skizziert.

Der Bausektor zählt weltweit zu den ressourcen- und energieintensivsten Wirtschaftsbereichen und ist für rund 40 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig fallen in Österreich jährlich rund 40 Millionen Tonnen Bodenaushub an, wovon der Großteil bisher ungenutzt deponiert wird. Das am IBO durchgeführte Forschungsprojekt Erdbewegung - Lehm als klima- und ressourcenschonender Baustoff untersuchte, wie Lehm als kreislauffähiger Standardbaustoff im Geschossbau etabliert werden kann.

Im Kapitel zu den regulatorischen Rahmenbedingungen wurden weltweit gültige Lehmbaunormen sowie geotechnische Prüfnormen auf ihre Anwendbarkeit in Österreich analysiert und durch strukturierte Expert:innen-Interviews ergänzt. Parallel dazu wurden umfangreiche Testreihen an verschiedenen Baulehmen durchgeführt, um eine wissenschaftliche Basis für genormte Prüfverfahren zu schaffen. Schon lange sind Handtests bekannt mit deren Hilfe im Vorfeld die grundsätzliche Eignung des Aushubs untersucht werden kann. Daran anschließend sollen mit normierten Prüfungen die Eigenschaften der Aushublehme standardisiert beschrieben und damit leichter vermittelbar werden.

Für die Vermittlung und Verwertung von für Lehmbaustoffe geeignetem Aushubmaterial wurde die Integration der Materialkategorie „Baulehm“ in die Österreichische Recycling Plattform Bau empfohlen. Derzeit werden Kriterien zur Klassifizierung des Materials erarbeitet – anhand dessen kann ein Bedarf mit verfügbarer Materialqualität abgeglichen werden. 

Die mittels dynamischer Lebenszyklusanalyse durchgeführten Ökobilanzen belegen zudem, dass Lehm und biogene Dämmstoffe aufgrund minimaler Herstellungsenergie und Kohlenstoffspeicherung erhebliche Klimavorteile gegenüber konventionellen Baustoffen aufweisen.

Auf technischer Ebene wurde die Praxistauglichkeit einer Holz-Lehmverbundbauweise nachgewiesen. Das rein mechanisch gefügte System verzichtet auf synthetische Klebstoffe, erreicht Brandschutzwerte bis EI 120, bietet guten Schallschutz und ist zu 100 % kreislauffähig. 

Um den Lehmbau weiter voranzubringen, müssen mehrere Hebel gleichzeitig angesetzt werden. Eine steigende Nachfrage nach Lehmbaulösungen kann langfristig nur gedeckt werden, wenn ausreichend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen. Gleichzeitig entsteht jedoch nur dann eine Nachfrage nach entsprechenden Aus- und Weiterbildungsangeboten, wenn auch die Nachfrage nach Lehmbau wächst. Es gilt daher, diesen Kreislauf schrittweise zu durchbrechen. Langfristiges Ziel ist die Integration des Lehmbaus in bestehende Ausbildungsgänge. Bis dahin bietet der im Rahmen des Projekts entwickelte „Grundkurs Lehmbau“ Interessierten die Möglichkeit, sich grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten im Lehmbau anzueignen.

Aktuell werden in RE-FORM earth weitere Grundlagen für den Lehmbau geschaffen. Im Projekt werden praxistaugliche, kreislauffähige Bauteilaufbauten mit Lehmanteil und lokalen biogenen Dämmstoffen erarbeitet. Der Katalog wird online zur Verfügung stehen, die ökologischen sowie bauphysikalischen Kennwerte werden zusätzlich auf der Plattform baubook bereitgestellt. Zudem werden die Auswirkungen von Lehmbaustoffen auf die Innenraumluft mithilfe eines Messprogrammes zu potenziellen Schad- und Störstoffen – allen voran Radon und Thoron - wissenschaftlich untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung temperierter, thermisch aktivierter Stampflehmbauteile, die als ökologisches Heiz- und Kühlsystem zur Speicherung fluktuierender erneuerbarer Energien dienen.

Der Endbericht des Projektes Erdbewegung ist hier verfügbar.

Das Projekt Erdbewegung wurde im Rahmen der 2. Ausschreibung FTI-Initiative Kreislaufwirtschaft (BMK) aus Mitteln der FFG gefördert.

Projektteam

IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie (Projektleitung)
Camillo Sitte Versuchsanstalt für Bautechnik
Hirschmugl KG
Holzbau Simlinger GmbH
Mag. Andreas Breuss
TU Wien – Forschungsbereich Baugeschichte und Bauforschung

Forschungszeitraum
Jänner 2023 - Dezember 2025 

© Ute Muñoz-Czerny