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reSOILution
Nutzung von Aushub für die Lehmbaustoffherstellung

Aushubmaterialien verursachen große Abfallmengen und sind ein zentraler Hebel für Ressourcenschonung und Abfallreduktion im Bausektor. Das Projekt reSOILution untersucht, wie Aushub zirkulär zu Lehmbaustoffen weiterverarbeitet werden kann, um CO₂-Emissionen zu senken und eine nachhaltige Bauwirtschaft zu fördern. Fokus liegt dabei auf der Einbindung von Erdbauunternehmen und Aushubdeponien.

ForschungBaustoffe und BauteileKreislauffähigkeit

Der Bausektor ist für 30 % des globalen Energieverbrauchs und 40 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich.12 Etwa 50 % aller Rohmaterialien werden von der Bauindustrie genutzt3, allein die Herstellung von Baumaterialien verursacht 11 % der globalen Emissionen, davon entfallen 8 % auf Zement4.Der Ressourcenverbrauch für Gebäude und Infrastruktur hat sich seit 1900 um das 23-fache erhöht5. Damit ist die Branche ein zentraler Hebel für Klimaschutz. 

Schlagworte wie Rohstoffknappheit, Lieferengpässe und Preissteigerungen prägen aktuell den Bausektor, der stark von globalen Entwicklungen abhängig ist. Auch das durch Bauvorhaben anfallende Abfallaufkommen stellt den Bereich vor große Herausforderungen. Im Jahr 2023 betrug der Anteil an Aushubmaterialien am gesamten Abfallaufkommen in Österreich 57 % (das entspricht rund 38 Mio Tonnen), davon wurden 21 Mio Tonnen deponiert.6

Eine zirkuläre Bauwirtschaft – von der Planung bis zur Wiederverwendung – ist essenziell für die Reduktion von CO₂ und Energieverbrauch. Die Nutzung von Aushub zur Herstellung von Lehmbaustoffen trägt dazu bei, Abfall zu reduzieren, Ressourcen zu schonen, damit CO2-Emissionen zu minimieren sowie kreislauffähige Materialien in den Bauprozess zu integrieren. Ziel des Projektes reSOILution ist die Analyse von Rahmenbedingungen, die eine zirkuläre, industrialisierte Nutzung von Bodenaushubmaterialien durch deren Weiterverarbeitung zu Lehmbaustoffen ermöglichen.

Aushubmaterial wird in der Regel – sofern es nicht direkt am Ort der Entstehung wiederverwendet werden kann – auf Aushubdeponien entsorgt. In Österreich existieren zwar rund 1.000 Aushubdeponien, doch lediglich ein kleiner Teil davon verfügt über die notwendigen räumlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen, um das Material für eine Wiederverwendung klassifiziert lagern und zu Lehmbaustoffen aufbereiten zu können.

Aktuell erarbeitet ein Teil des Teams im Projekt missing link einen Handlungsleitfaden, der die rechtlichen, ökonomischen, logistischen und infrastrukturellen Voraussetzungen sowie eine klare Prozesskette von der Aushubmaterialgewinnung bis zum Einbau von daraus hergestellten Lehmbaustoffen vor Ort darstellt. Dieses sowie weitere themenrelevante Projekte7 dienen als Grundlage für die Durchführung der weiteren Projektschritte in reSOILution.

Fokus wird bei der Einbindung von mit Aushubmaßnahmen und Deponierung in Verbindung stehenden Unternehmen liegen. Im Rahmen von Interviews mit Stakeholder:innen werden potenzielle Lager- und Aufbereitungsstätten identifiziert. Beispielhaft wird an drei Standorten eine Massen- und Qualitätsermittlung des Aushubs sowie eine Analyse der Stoffflüsse durchgeführt. In einem Stakeholderworkshop werden unter Einbindung der relevanten Akteur:innen mögliche Geschäftsmodelle und Verwertungspotenziale diskutiert. 

Bei der Kies- und Schotteraufbereitung fällt als Nebenprodukt sogenannte Kiesschlämme an, die bisher meist entsorgt wird, aber potenziell für die Lehmputz- und Lehmörtelherstellung geeignet ist. Im Projekt wird untersucht, inwieweit diese Kiesschlämme für die Herstellung von Lehmbaustoffen genutzt werden kann. 

Anhand aktuell in Umsetzung befindlicher Projekte, bei denen Aushubmaterial zum Einsatz kommt, werden die erforderlichen Maßnahmen, potenzielle Herausforderungen sowie die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen systematisch erfasst und dokumentiert.

In das Projekt eingebunden werden Stakeholder:innen aus folgenden Bereichen: Erdbau, Deponiebetreiber, Baustoffhersteller:innen, Bauunternehmer:innen, Kieswaschanlagen-Betreiber:innen sowie Hersteller:innen von Aushub-/Baumaterialaufbereitungsgeräten.


Literatur
1 Berardi U. 2017. A cross-country comparison of the building energy consumptions and their trends. Resour. Conserv. Recylc. 123, 230–241   
2 Jones K, Stegemann J, Sykes J, Winslow P. 2016. Adoption of unconventional approaches in construction: The case of cross-laminated timber. Constr. Build. Mater. 125, 690–702 
3 Pacheco-Torgal F, Jalali S. 2012. Earth construction: Lessons from the past for future eco-efficient construction. Construction & Building Materials, 29(1), 512–519
4 Zero Carbon Industry Plan. 2017. Rethinking Cement. Cero Carbon Australia. p 7
5 Krausmann F et al. 2017. Global socioeconomic material stocks rise 23-fold over the 20th century and require half of annual resource use. Proceedings of the National Academy of Sciences - PNAS, 114(8), 1880–1885
6https://www.umweltbundesamt.at/abfall/dashboard Abruf am 17.6.2025
7 u.a. Erdbewegung, NÖ LehmGuide

Projektteam

Projektleitung
IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen
Netzwerk Lehm 
GrünStattGrau
STRABAG

Forschungszeitraum

April 2026 – März 2027

Fördergeber

Die Ausschreibung „Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt“ ist Teil des FTI-Schwerpunkts „Klimaneutrale Stadt“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und des Klima- und Energiefonds (KLIEN). Die Abwicklung erfolgt im Auftrag des BMIMI und KLIEN durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (AWS).

Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt
Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur
FFG
© Ute Muñoz-Czerny