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book reviews

Kengo Kuma
Complete Works 1988–Today

Von Häusern mit lichtdurchlässigen Bambuswänden bis zu dem hölzernen Dach des Nationalstadions für die Olympischen Spiele in Tokyo – mit jedem Bau verfolgt der japanische Architekt Kengo Kuma einen beispielos nachhaltigen Ansatz, indem er lokale Handwerkskunst und Ressourcen in eine neue taktile Architektur übersetzt. Diese Monografie präsentiert die Bandbreite seines außergewöhnlichen Schaffens.

Publikation

Nach Tadao Ando, Toyo Ito und Fumihiko Maki hat Kengo Kuma der japanischen Architektur neue Kraft und Leichtigkeit verliehen. Den Wolkenkratzern des 20. Jahrhunderts den Rücken kehrend reiste Kuma quer durch seine Heimat Japan, um einen wirklich nachhaltigen Ansatz zu entwickeln und mit lokaler Handwerkskunst und Ressourcen ortsspezifische und zeitgemäße Gebäude zu planen. Sowohl im Bewusstsein der Tradition, als auch mit beiden Füßen fest in der Gegenwart verankert, verkündet der „Materialist” eine neue taktile Architektur, die sich durch ansprechende Oberflächen, innovative Strukturen sowie fluide Formen auszeichnet und den Menschen wieder mit der Körperlichkeit eines Hauses verbindet.

In diesem Sinne gestaltete Kuma das China Academy of Arts’ Folk Art Museum mit licht- und luftdurchlässigen Wänden aus entsorgten Dachziegeln, schuf in der japanischen Provinz Nagano eine Kapelle aus Birkenstämmen und Moos und arbeitete mit ortsansässigen Handwerkern zusammen, um das V&A Dundee als gewundene, geschichtete Reminiszenz an die rauen schottischen Felsklippen zu formen. Mit seiner außergewöhnlichen Sensibilität für Raum, Licht und Textur gewinnt Kuma dem Material unerwartete Qualitäten ab – die Schwerelosigkeit von Stein im Chokkura Plaza oder die Weichheit von Aluminium im Reetdach des Yangcheng Lake Tourist Transportation Center.

Ein weiteres Projekt, dass seine Idee von nachhaltiger Architektur dokumentiert, ist der Bau des neuen Nationalstadions für die Olympischen Spiele 2020 die coronabedingt auf 2021 verschoben wurden.

"Dieses große Stadion wurde als Ansammlung einzelner feiner Holzteile konzipiert. Die Fassade besteht aus Dachvorsprüngen, die einander in mehreren Schichten überlappen. Schmale Holzgitter bedecken die Unterseite und erinnern auf zeitgemäße Weise an die schönen Dachvorsprünge, die die traditionelle japanische Architektur kennzeichnen. Zur Herstellung der Strukturen wurde Zedernkantholz mit der in Japan üblichen Dicke von 105 Millimetern in jeweils drei 50 Millimeter dünne Bretter geschnitten. Die Frequenz und Dichte der Holzteile ist unterschiedlich, um den Dachvorsprüngen eine menschliche Dimension zu verleihen. Das Dach besteht aus einem Tragwerk, in dem Stahlträger und Leimholz mit mittlerem Querschnitt kombiniert wurden, wobei die axiale Steife des Holzes dazu genutzt wurde, Verformungen des Dachtragwerks durch Wind oder Erdbeben zu minimieren. Mit diesem Beispiel möchte ich dazu beitragen, die Richtung der japanischen Architektur zu ändern.”
Kengo Kuma

In dieser XXL-Monographie mit rund 500 Fotos, Skizzen und Plänen führt uns Kuma durch seine gesamte Karriere, zeigt seine bisherigen bahnbrechenden Projekte sowie aktuell laufende Vorhaben.

Informationen und Bestellung beim Taschen Verlag

Kengo Kuma, Philip Jodidio (Hg)
Kuma. Complete Works 1988–Today
Taschen Verlag 2021, Hardcover, auf zwei verschiedenen Papiersorten gedruckt, 460 Seiten, mehrspr. Ausgabe de, eng, fra, Euro 150,–