Hintergrund und Problemstellung
Mit der Klimaneutralität bis 2050 hat sich die Europäische Union ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Erneuerbare Energiequellen zeigen zwar ein erhebliches Potenzial, wenn es um die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft geht, eine komplette Vermeidung aller Emissionen erscheint in diesem Zeithorizont allerdings nicht realistisch. Umso entscheidender ist es daher, zusätzlich CO2 aus der Atmosphäre zu binden und zu entfernen.
Wirtschaftspolitische Maßnahmen der EU zur Reduktion von CO2-Emissionen gehen bis in das Jahr 2005 zurück. Damals wurde für energieintensive Branchen der Handel mit Zertifikaten eingeführt, die zum Emissionsausstoß berechtigen. Mit dem Carbon Removal Certification Framework (CRCF) hat die EU im Jahr 2024 einen europaweit einheitlichen Rahmen für freiwillige Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung und -entfernung geschaffen. Die als „Carbon Offset Credits“ bezeichneten Zertifikate können an Unternehmen oder Privatpersonen verkauft werden, die auf diesem Weg ihre CO2-Emissionen kompensieren möchten und stellen daher eine potenzielle Einnahmequelle dar. Werden aus dem gebundenen Kohlenstoff neue Produkte hergestellt, ergeben sich daraus zusätzliche Erlöspotenziale.
Aus technologischer Sicht gibt es grundsätzlich eine Reihe verschiedener Ansätze. Durch das komplexe regulatorische, technologische und wirtschaftliche Umfeld sind viele davon für KMU derzeit jedoch kaum zugänglich. Die Vielfalt an möglichen Geschäftsmodellen, die sich aus dem neuen Regelwerk ergibt, ist darüber hinaus Fluch und Segen zugleich. Während der Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind, ist nicht alles wirtschaftlich realisierbar, was zunächst vielversprechend klingen mag.
Ziele und Ergebnisse
Die Frage wie die Umsetzung von Aktivitäten zur CO2-Bindung auch für KMU künftig gewinnbringend gelingen kann, wird im Projekt „C2B – Carbon to Business“ durch ein interdisziplinäres Konsortium untersucht. Aktuell fehlen in diesem Zusammenhang einerseits ein konsistenter Rahmen, um die Aufnahme und Speicherung von CO2 zu bewerten und andererseits in gewissen Bereichen auch die entsprechenden spezifischen Berechnungsmethoden. In einem ersten Schritt erfolgt daher eine Analyse der technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Hierbei kommt auch ein KI-Assistenzsystem zur Anwendung, um die großen Datenmengen in absehbarer Zeit zu bewältigen.
Darauf aufbauend erfolgt der Entwurf eines (insbesondere für KMU) praktikablen Verfahrens zur Geschäftsmodellformulierung unter Berücksichtigung der spezifischen Kosten und Erlöse sowie des allgemeinen Markumfelds. Über sechs Use Cases wird sichergestellt, dass die neue Methodik in verschiedensten Bereichen Anwendung finden kann. Im Fokus stehen dabei der Bausektor (Bauprodukte aus Massivholz und biobasierte Dämmstoffe), die Metallindustrie (Weiterverwendung von Schlacke), die Landwirtschaft (Pflanzenkohle zur CO2-Speicherung und Torfalternativen aus Reststoffen) sowie die Nahrungsmittelbranche (Pflanzproteine aus Lebensmittelresten).
Mittels einer im Projekt entwickelten frei zugänglichen Web-Anwendung sollen Unternehmen ihre Projektideen in Zukunft rasch und niederschwellig hinsichtlich der grundsätzliche Eignung prüfen können. Fällt dieser erste Check positiv aus, soll die Möglichkeit zur Erstellung eines detaillierten Geschäftsmodells inklusive CO2-Bilanzierung und Wirtschaftlichkeitsbewertung bestehen. C2B unterstützt somit KMU bei der Orientierung in einem vielversprechenden, aber ebenso komplexen Marktumfeld und sorgt für Risikominimierung bei gleichzeitig erhöhter Planungssicherheit. Die Wirkung, die sich daraus ergibt, geht weit über die Unternehmensebene hinaus, zählt der voranschreitende Klimawandel doch zu den größten Bedrohungen unserer Zeit.


